Erfahrungen mit Channa spec. cobalt blue

Channa spec. cobalt blue ist eine bisher noch wissenschaftlich unbeschriebene Art aus dem Chel-River Nord-Ost-Indiens (West Bengalen), die erstmals 2013 nach Deutschland importiert wurde .
Ich habe selbst 2013 6 Jungtiere der Generation F1 bekommen und großgezogen.

4184-002ad86b.jpg



Im natürlichen Habitat unterliegen die Tiere einem jahreszeitlichen Wechsel von Regen- und Trockenzeit . Das Klima an den Zuflüssen des Bramaputra wird als subtropisch eingestuft. Dies führt letztlich dazu, dass die Tiere einen jahreszeitlichen Zyklus durchleben und den man durchaus auch in der Aquarienhaltung nachempfinden sollte. Temperaturen während der Trockenzeit im Winter dürfen durchaus die 20°C unterschreiten, wobei man annimmt, dass der Fluss, im Vergleich zu anderen Zuflüssen aus dem Gebirge, nicht so kalt wird. Man empfiehlt keine Temperaturen unter 18°C .

Im Sommer können die Wassertemperaturen im Habitat auch über 25 °C erreichen. Letztlich bedeutet dies in der Aquaristik, auf eine Heizung kann verzichtet werden. Bei der Art fällt besonders auf, dass fleißig Gruben und Unterstände im Aquarium angelegt werden. Gern halten sie sich unter Wurzeln auf, sodass ich davon ausgehe, dass sie im natürlichen Habitat keine Freischwimmer der Flussmitte sind,sondern eher kleiner Reviere im Uferbereich besiedeln.


Möglicherweise deutet dieses Verhalten auch auf die möglichen Überwinterungsgegebenheiten der Tiere in Höhlen und natürlichen Unterständen hin. Näheres dazu ist mir jedoch nicht bekannt. Auch ob besonders viele Pflanzen, wie häufig bei tropischen Channa gefordert, im Becken benötigt werden, ist fraglich. Wahrscheinlich halten sich die Tiere zur Laichzeit in den überschwemmten Flussbereichen auf, wo sich annehmbar auch ein dichter Pflanzenbewuchs finden wird. Aus meinen Erfahrungen legt des Männchen kurz vor der Brutpflege Laichgruben in geschützten Bereichen des Aquariums an, wo die Junglarven später gesammelt werden. Sicher ein Schutz vor Fressfeinden.


4185-99d60a94.png


Das dabei Pflanzen eine besondere Rolle gespielt hätten, ist mir nicht aufgefallen. Die obligatorische Korkröhre an der Wasseroberfläche wurde dagegen intensiv bei der Aufzucht der Jungen genutzt. Somit wäre meine Empfehlung für eine Beckeneinrichtung lediglich ein gut strukturiertes Becken mit ausreichend Wurzeln als Unterstände und Rückzugszonen und ggf. Pflanzen als zusätzlicher Sichtschutz.


Ich habe Sie damals in einem 240 l Becken großgezogen und später ab 25 cm Größe in ein 450 l Becken umgesetzt. Damals war ich noch der Meinung da müssten ordentlich Pflanzen rein und es sollte natürlich auch gut aussehen. Nachdem sich dann die besondere Neigung der Tiere zur Beckenbodengestaltung offenbart hatte, reduzierte sich der Pflanzenteil auf ausschließlich Aufsitzer- und Oberflächenpflanzen.


4187-3652e6d5.jpg

4186-8a4ed20b-large.jpg


Meine Jungtiergruppe hat sich damals schnell eingelebt. In diesem Alter sind die Tiere sehr agil und durchaus auch untereinander streitsüchtig. Hier spielt noch weniger das Revierverhalten, sondern der Futterneid eine Rolle. Es wird hastig alles zerlegt, was fressbar ist. Meine ersten Nachzuchten stellten dies gut unter Beweis.




Meine Jungtiere haben sich daher schnell innerhalb weniger Monate gut entwickelt und unterlagen einem rasantem Wachstum. Mit ca. 10 cm nach ca. 4-5 Monaten zeigte sich dann innerhalb der Gruppe ein deutliches Revierverhalten und es entwickelte sich ein dominantes Paar, welches sein Revier hartnäckig gegen die anderen verteidigte. Auch die Geschlechtsunterschiede in Körper- und Flossenformen sowie Färbung der Rückenflosse waren bereits frühzeitig bei den dominanten Tieren zu sehen. Die restlichen Tiere mussten dann auch aus dem Becken genommen werden, um schlimmeres zu verhindern.


4188-437d959e.jpg

4183-d5f4cd4b-large.jpg


Die Tiere ähneln im Aussehen stark den bereits zuvor bekannten Channa spec. "Five Stripes" . Annehmbar gehören sie in den Stewartii Artenkomplex.

Die Körpermusterung entwickelte sich immer stärker und war häufig auch stimmungsabhängig. Die Färbung der Flossen, insbesondere der Männchen trat zunehmend deutlicher hervor und die Tiere wurden ihrem beschreibendem Namen gerecht. Markant war besonders die 3 Teilung der Dorsalen, After- und Schwanzflossen mit einem hohen Blauanteil einem nachfolgenden breiten, schwarzen Band und einem weiß gesäumten Flossensaum. Die Dame blieb insgesamt blasser in der Färbung.


4181-d1220bdd-large.jpg


Ab einer Größe von 16-18 cm wurden die Tiere geschlechtsreif und ich hatte damals schnell Nachwuchs. Im ersten Wurf waren es noch ca. 40 Jungtiere im 2. ungeplanten Wurf ca. 6 Monate später bereits ca. 80 Jungtiere. Channa spec. cobalt blue sind Maulbrüter. Das Männchen nimmt die schwimmenden Eier nach der Paarung von der Oberfläche auf und brütet diese, bei mir ca. 8 Tage, in seinem Kehlsack aus.



Ich konnte die Paarungsversuche damals leider nicht im Bild festhalten. Vorausgegangen waren wie üblich Scheinpaarungen, gegenseitiges Umschlingen an der Oberfläche, die beim erfahrenen Channahalter zumeist mit großer Freude artikuliert werden. Auch das ca. 1 Stunde andauernde Einsammeln der Eier von der Oberfläche konnte ich damals miterleben.

Die ersten Larven konnte ich dann wie bereits erwähnt in den zuvor angelegten Laichgruben oder im Bereich der Korkröhre beobachten.




Ich habe die beiden Tiere dann über ca. 1 Jahr gepflegt. Dabei haben sie auch einen großen Umzug nach Thüringen mitgemacht. Ich konnte ca. 120 Jungtiere erfolgreich an den Mann bringen. Zum Teil in private Hände, bis nach Österreich, zum Teil in den Kleinhandel. Ab einer Größe von 4-5 cm sind sie in der Regel zur Abgabe bereit. Bis dahin werden sie sorgsam von den Elterntieren bewacht. Anfangs mit eigenen Nähreiern von der Mutter versorgt, können sie ab der 2 Woche durchaus mit Kleinstfutter, z.B. dekapsulierte Artemiaeier oder Lobstereier, später mit Artemia, und sonstigem Frostfutter zugefüttert werden.



Die Futterpalette habe ich immer versucht abwechlungsreich zu halten. Die Art ist kein ausgemachter Fischfresser. Hier sind eher Insekten, Krustentiere, Muscheln, Würmer anzubieten. Wir konnten sie auch bereits an Trockenfuttersticks gewöhnen, was ich persönlich jedoch irgendwie unnatürlich empfinde. Natürlich und wichtig ist die bereits angesprochene Winterpause. In der Regel für 3 Monate sollte eine konsequente Futterpause eingehalten und die Temperatur einige Grad im Becken abgesenkt werden. Dies dient der Erhaltung des natürlichen Lebenszykluses und der Gesundheit der Tiere. Somit wird ein Verfetten sowie eine dauerhafte hormonelle Stimulation unterbunden.


Mit zunehmendem Alter und Größe nahm in meiner Empfindung ein wenig das Zutrauen zum Halter ab. Ich konnte beobachten, dass besonders der Bock sich vorrangig in seine Unterstände zurückzog und zunehmend scheuer wurde. Zumindest waren sie nicht vergleichbar mit gachua und Co, die häufig als ausgemachte Kuscheltiere bekannt sind. Beide haben eine stattliche Größe bis 30 cm erreicht. Dies wird wohl erfahrungsgemäß auch die Endgröße darstellen. Um so heftiger es unter den Jungtieren zuging, umso harmonische wurde später das Pärchen. Ich habe sie als Paar nie wirklich im Streit erlebt. Es gab keinerlei Verletzungen bei mir. Man muss aber auch erwähnen, dass andere Halter durchaus auch in der Paarhaltung bereits andere Erfahrungen gemacht haben und es besonders nach missglückten Paarungen doch zu Streitereien kam und die Tiere temporär getrennt werden mussten.

Die Art war von klein auf für ihr sprungfreudiges Verhalten bekannt. Bereits die ersten Jungtiere in einer Größe von 4-5 cm waren in der Lage durchaus 10 cm Beckenrandhöhe zu überwinden. Besonders für den Kleinhändler eine nervige Geschichte damals. Mit einer Größe von 30 cm waren sie leider auch in der Lage die Aquarienabdeckung von Juwel trotz Beschwerung mit Steinen irgendwann zu überwinden. Ich hätte es damals nicht geglaubt, aber der Bock hatte tatsächlich eine Ecke gefunden und während meiner urlaubsbedingten Abwesenheit das Becken verlassen. Später fanden wir Ihn 3 Räume, ca 10 m, weiter in der Garage wieder. Eine Rettung war leider nicht mehr möglich.

Auch wenn die Geschichte letztlich ein tragisches Ende nahm, die Tiere werden mir immer in Erinnerung bleiben. Die Art ist nun seit einigen Jahren gut etabliert in der Channagemeinschaft. Es gibt weitere Erfahrungen, erfolgreiche Nachzuchten, auch von meinen damaligen Jungtieren.

Und ich lade explicit dazu ein, sich an der Diskussion zu diesem Artikel zu beteiligen! Insbesondere wenn zusätzliche oder auch andere Erfahrungen mit dieser Art gemacht wurden.


Empfehlen kann man die Art aus meiner Sicht auf jeden Fall ab einer Beckengröße von 120x50. Etwas Geduld und Aufmerksamkeit in der Paarfindungsphase muss man haben. Hat man letztlich aber ein harmonisierendes Paar sind sie doch als eher einfachere Channaart zu pflegen, wenn man sich an die aufgezeigten Regeln hält.

Zum Abschluss nochmal eines meiner bekannteren Bilder mit dem eindeutigen Beweis, spec. Cobalt blue!


4180-3cd25d8b-large.jpg