Parachanna africana - Perle aus Westafrika

Systematik:

Stachelflosser (Euacanthomorphacea)

Gruppe: Percomorphaceae (Barschverwandte)

Ordnung: Anabantiformes (Kletterfischartige)

Familie: Channidae (Schlangenkopffische)

Gattung: Parachanna

Art: Parachanna africana

Erstbeschreibung: Steindacher, 1879


Herkunft:

Die Art hat ein relativ großes Verbreitungsgebiet und kommt lt. [https://de.wikipedia.org/wiki/…ischer_Schlangenkopffisch] "... vom Ouémé in Benin über das Nigerdelta und den unteren Cross River in Nigeria bis Kamerun, möglicherweise auch bis Gabun…“ vor. Dieses Gesamtgebiet ist in Gänze deutlich größer als Deutschland und Frankreich zusammen und besitzt, abgesehen von sich z.T. überschneidenden Quellflußgebieten, relativ wenige Querverbindungen der jeweiligen, potenziellen Lebensräume für die Art.


Bild 1 ungefähres Verbreitungsgebiet (rot umrandet)


Sicherlich sind daher auch nicht alle ursprünglichen Habitate der Art in Gänze beschrieben, aber sie sollen wohl bevorzugt in eher schattigen und damit vermutlich bewaldeten Fließgewässern wie tropischen Waldbächen und Uferzonen von Seitenarmen auch größerer, tropischer Flüsse vorkommen.

Aus eigener Erfahrung mit der Art kann ich feststellen, dass sie direkte Strömung eher meiden.


Aussehen:

Anpassungsbedingt an den bevorzugten Lebensraum ist die Art eher in dunklen Brauntönen gezeichnet, mit allerdings sehr deutlichem Strukturmuster - Querstreifenmuster ziehen sich den gesamten Körper entlang und, vor allem die Männchen, haben ein sehr ausgeprägtes Punktmuster aus schwarzen Punkten. Je nach Individuum ist eine Strukturzeichnung auf dem Kiemendeckel mit helleren Schuppen in der Art einer Umrandung eines sehr dunklen Bereichs erkennbar. Männchen weisen normalerweise eine kräftigere Musterung auf mit helleren Bereichen in der Afterflossenbasis; außerdem sind bei den Männchen im Bereich Schwanz- und Rückenflosse zwischen den Flossenstrahlen leicht bläuliche Bereiche erkennbar. Generell haben die Männchen höhere unpaarige Flossen.


Bild 2 adultes, junges Männchen (Normalfärbung)


Bild 3 adultes, junges Weibchen (Normalfärbung)


Bild 4 Meister der Tarnung – auf diesem Bild sind 4 juvenile P.africana zu sehen (rechter Rand)!


In der Paarungszeit färben sich beide Geschlechter deutlich dunkler, teilweise fast schwarz, mit deutlicher Verstärkung der Strukturzeichnung. Die typisch männlichen Zeichnungsunterschiede verstärken sich sichtbar.


Bild 5 adultes, älteres Männchen


Bild 6 adultes, älteres Weibchen


In vielen Quellen ist von Körpergrößen von 32 - 35 cm zu lesen; ich habe auch schon einmal die Angabe 40 cm gelesen. Die mir bekannten Fische (Kennzeichnung beim Kauf: WF Niger) haben eine Körperlänge von 25 cm auch nach 3 Jahren nie überschritten. (Das kann zum einen an unterschiedlichen Haltungsbedingungen bei der Aufzucht, an Unterschieden bei möglichen Herkunftsvarianten oder an Verwechselungen mit z.B. Parachanna obscura (beide Arten werden oft nur als African Snakehead Fish bezeichnet) liegen und wird hoffentlich irgendwann in der Zukunft mal geklärt werden.)


Die Gruppe in diesem Video hat eine ungefähr KL von 12-14 cm:



Verhalten:

Die Art ist eher etwas scheu und man sieht sie leider nicht zu oft im Aquarium umherschwimmen. Meine Tiere sehe ich fast nur abends in den Stunden der normalen Fütterungszeit. Dann betteln sie auch mal ganz Channa-typisch. Ansonsten sind die bei paarweiser Haltung eigentlich untereinander, vermutlich aber ab einer gewissen Mindestbeckengröße (s.u.) mit genügend Ausweichplätzen, friedlich und harmonisch. Eventuell reagieren sie aber beim Verteidigen von Unterständen und Höhlen durchaus auch etwas energisch und bissig - das erkennt man bei einem richtig eingerichteten P.africana-Becken aber nur indirekt z.B. an Bissspuren an Welsen (hier beobachtet an Heteropneustes fossilis).

Adulte Männchen untereinander können sehr aggressiv sein und die Bezahnung der Art hinterlässt dann meist relativ starke Verletzungen. Nach wochenlanger Ruhe im Aquarium bricht so ein Streit manchmal plötzlich los. Wie sich Weibchen untereinander verhalten, kann ich leider nicht sagen, da meine damals gekaufte Jungfischgruppe nur 1 Weibchen enthielt.

Hier: zwei imponierende Männchen (darauf folgte nach Tagen ein folgenschwerer Kampf)


Zumindest in der Paarungszeit (Hrsg.) sollen die Tiere sehr aggressiv gegenüber allen potenziellen Bedrohungen ihrer Brut und Jungfische reagieren, daher sollte man zumindest in dieser Zeit wahrscheinlich auf sämtliche anderen Bei-Fische verzichten, die ansonsten außerhalb der Fortpflanzungszeit problemlos akzeptiert werden (bei mir persönlich immer mal zeitweise: kleinere Polypterus endlicherii, L200 + L18, Synodontis nigriventis, Het.fossilis -> nicht zu empfehlen, da zu hektisch).


Bild 7 Männchen mit Polypterus endlicherii


Haltung als Heimtier:

Das Aquarium für ein Paar dieser Art sollte meines Erachtens eine Grundfläche von mindestens 0,6 m2 (entspricht 1,20 x 0,50) aufweisen. Ein Wasserstand von 30 - 40 cm ist ideal. Ich halte mein adultes 25 cm Paar auf 1,50 x 0,50 m bei etwa 35 cm Wasserstand. Die Einrichtung sollte eine starke Strukturierung aufweisen, am besten mit vielen verzweigten Wurzeln, Röhrenverstecken und, sofern dieses die Wasserwerte zulassen, reichhaltiger Bepflanzung. Sehr wichtig ist ein Sichtschutz von oben, am besten in Form von Schwimmpflanzen - je mehr davon vorhanden ist, desto mutiger sind die Tiere!

Das Wasser sollte warm (25-27°C) sein, eine geringe Härte (1,0 - 1,5 °dH) und einen leicht sauren pH-Wert (6,7 - 6,5) aufweisen ... das vertragen u.U. viele Wasserpflanzenarten auf die Dauer nicht so gut, zumal auch die Beleuchtung eher mäßig ausfallen sollte -> siehe Schwimmpflanzen. Im Jahresverlauf werden auch abweichende Wasserwerte vertragen, wenn der Wechsel nicht zu schnell vonstattengeht, aber die beiden Stichworte WARM & WEICH sollten immer beherzigt werden.


Bild 8 Habitat-Aquarium für P.africana (150x50x40 – LxTxH)



Bild 9 das gleiche Aquarium mit leicht geänderter Einrichtung und modifizierter Beleuchtung


Futter:

Die Fütterung der Tiere ist aus meiner Sicht etwas komplizierter, als bei vielen anderen Channa-Arten, weil die Fische etwas wählerisch sind. Es hat einige Wochen gedauert, als meine erste Jungfischgruppe (wohl gemerkt WF-Tiere!) die ersten frisch aufgetauten roten und weißen Mückenlarven als Futter akzeptiert haben. Letztlich über Konditionierung haben sie in der Wachstumsphase zwischen 7 und 15 cm KL sogar Trockenfutter gierig gefressen (Gammarus, Krill, Mückenlarven, Mini-Arowana Sticks, aber auch lebende Rotwürmer und typische Auftaunahrung), wie in diesem Video eindrucksvoll zu sehen und zu hören ist:


Ab einer Größe von etwa 16-17 cm (wohl Einsetzen der Geschlechtsreife und damit auch der Aggressivität unter den Männchen) wurde es etwas schwieriger. Meinen Beobachtungen nach gewöhnen sie sich an Lebendfisch extrem schnell und nehmen dann lange Zeit nicht anderes mehr, also lieber anderes Futter verwenden! Sie nehmen generell lieber etwas kleinere Happen zu sich.

Sie fressen auch jetzt als Adultis noch:

- Rotwürmer, relativ fein geschnittenes Shrimp-Fleisch, zerkleinerte Sandgarnelen, Gammarus, Krill-Krebse

- frisch aufgetaute Insekten, wie z.B. Schaben entsprechender Größe (B.lateralis und B.dubia), Heimchen und Grillen (Gr.assimilis und A.domestica), Mehlwürmer und Zophobas

- nur nach längerem Fasten: Arowana Sticks

Alle 2 bis 3 Tage bekommen meine Tiere Futter.



Bild 10 + 11 mein Paar in „trauter Zweisamkeit“


Vermehrung/Zucht:

Nach jetzigem Kenntnisstand ist es für die erfolgreiche Vermehrung von Parachanna africana unabdingbar, saisonal die oben beschriebenen Wasserwerte entsprechend zu verstärken, d.h. eine Wasserhärte von etwa 1,0 - 0,5°dH bei pH = 6,0 - 5,5 mit Temperaturen von 28-32°C einzustellen. Das gelingt i.d.R. nur mit enthärtetem Wasser (Osmoseanlage oder gekauftes, destilliertes Wasser - eine MS EXCEL basierte Berechnungsform kann ich gern auf Nachfrage dazu anbieten), einer Filterung über Weißtorf und einem relativ leistungsfähigen Heizgerät.

Das Gedankenmodell dahinter beschreibt einen monatelangen Trockenzeitzyklus mit steigenden Temperatur- und Härtewerten und relativ reichhaltiger Ernährung ... dann Einsetzen der "Regenzeit" mit relativ kühlen, weichem Frisch-/Regenwasser und einsetzendem Einschwemmen von Huminsäuren in das Wasser (Altlaub im Regenwasser); Futter ist dann wahrscheinlich nicht sehr reichlich vorhanden ... dann wieder ansteigende Temperaturerhöhung.

Mit dieser Simulation habe ich Anfang 2018 zumindest schon eine wochenlange Umfärbung meines Paares in die typische Fortpflanzungszeichnung erreicht, aber leider noch keinen Fortpflanzungserfolg. Mit ähnlicher Methode hat aber bereits ein Halter aus Österreich bei einem sehr jungen Paar bereits die dritte (?) erfolgreiche Nachzucht schaffen können.

Die Jungfische sind, wie bei allen offenbrütenden Schlangenkopffischen, eher klein und mit winzigen Erstfuttermitteln zu versorgen. Sie sollen aber bei Temperaturen um die 28°C und reichlicher Futtergabe ziemlich schnell wachsen und dann wird die Ernährung zunehmend unproblematischer.

Die gezielte Nachzucht der Art ist bis jetzt nur wenigen Haltern weltweit gelungen!


Besonderheiten:

Es handelt sich um eine Art, die bei Weitem nicht so dominant im AQ unterwegs ist, wie z.B. die meisten asiatischen Channa-Arten. Sie hat aber schon aufgrund der extrem elegant wirkenden Bewegungen einen sehr speziellen Charme, der wirklich beeindruckt - wohl auch wegen der relativen Seltenheit der Tiere im Hobby.

Offensichtlich handelt es sich um Fische, die ähnlich extreme Lebensräume wie z.B. Channa bankanensis bewohnen, d.h. saures, weiches und relativ warmes Wasser mit vielen Unterwasserstrukturen. Eine Unterwasserbepflanzung wird in solchen Habitaten wahrscheinlich eher spärlich sein. Nahrung kommt wahrscheinlich hauptsächlich "von oben", also eher Insekten, die in Oberflächennähe unterwegs sind und wahrscheinlich auch einige wenige Kleinfische. Das lassen mich zumindest die Ernährungsgewohnheiten im AQ vermuten.


Die Bezahnung der Fische ist beachtlich - scharf und spitz!


Quellennachweis:

https://de.wikipedia.org/wiki/…ischer_Schlangenkopffisch

damit auch:

Nora Brede, Pascal Antler: Schlangenkopffische: Die Gattungen Channa und Parachanna. Natur und Tier-Verlag (2009), ISBN 3-8665-9104-7

Melanie Stiassny, Guy Teugels & Carl D. Hopkins: The Fresh and Brackish Water Fishes of Lower Guinea, West-Central Africa. Band 2, ISBN 9789074752206

https://niemeierdominik.jimdof…ttlere-arten/pc-africana/

https://www.seriouslyfish.com/species/parachanna-africana/


Haftungsausschluss:

Sämtliche hierin beschriebenen Informationen, wenn sie nicht explizit einer Quelle zugeordnet sind, stammen aus persönlichen Erfahrungen mit diesen Tieren in der eigenen, aquaristischen Haltung oder aus dem Informationsaustausch mit anderen Haltern dieser Art.