Erfahrungsbericht "Channa asiatica"

Systematik:

Stachelflosser ( Euacanthomorphacea )

Gruppe: Percomorphaceae (Barschverwandte)

Ordnung: Anabantiformes (Kletterfischartige)

Familie: Channidae ( Schlangenkopffische )

Gattung: Channa

Art: Channa asiatica


Erstbeschreibung: Linnè 1758 im Systema Naturae


Herkunft:

Die Art kommt ursprünglich wohl aus Südostchina (Provinzen Fujian, Guangdong, Hainan), welches an sich schon ein riesiges Verbreitungsgebiet darstellt, ist mittlerweile aber auch weiter verbreitet (worden?). Es gibt Nachweise bis nach Taiwan und sogar im südlichen Japan (Okinawa). Die Art bewohnt wohl vorwiegend eher stehende Gewässer.

ursprüngliches Verbreitungsgebiet der Art


Aussehen/Verhalten:

Channa asiatica ist ein mittelgroßer Vertreter der Gattung und, artgerechte Haltung und normale Fütterung vorausgesetzt, erreicht eine Standardkörperlänge von 30-35 cm. Die Tiere weisen i.d.R. eine braun-beige Grundfärbung mit relativ regelmäßiger, dunkelbraun bis schwarzer Querstreifenzeichnung. Typisch ist ein schwarzer Ocellus auf der Schwanzwurzel besonders bei jüngeren Exemplaren. Die typische Farbvariante zumindest bei europäischen Haltern (so auch meine Tiere) weist zusätzlich noch weiß-silbrige Glanzpunkte auf, die auf dem ganzen Körper verteilt sind - beim Männchen deutlich intensiver und in größerer Zahl. Es werden mittlerweile auch Varianten (Unterarten???) mit roten Punkten, schwarzen Punkten, weißen Punkten und rotem Streifenmuster oder gänzlich ohne Punkte beschrieben und gepflegt. Gemein ist allen diesen Formen eine eher schlanke Gestalt, ein bulliger, kräftiger Kopf mit großen Augen und das Fehlen der Bauchflossen.


Ch.asiatica Männchen


4423-c39e8624.jpgCh.asiatica Weibchen


Channa asiatica wird in der Literatur als innerartlich sehr aggressiv beschrieben (wobei das u.U. Varianten-abhängig sein könnte) und grundsätzlich als sehr territorial. Die Sterberate der im Streit unterlegenen Tiere liegt bei nahezu 100%. Meiner Erfahrung nach 5 Jahren Pflege dieser Art bestätigt diese Beschreibung zum Teil - als Jungfische sind die Tiere nahezu aggressionsfrei, wenngleich sehr verfressen. Bis zu einer Körpergröße von 13-17 cm, also bis zum Eintritt in die Geschlechtsreife, ist die Gruppenhaltung hier kein Problem. Wenn sich dann ein Paar bildet, führt das aber dann sehr schnell zu innerartlichen Aggressionen. Eine paarweise Haltung klappt i.d.R. sehr gut und streitfrei, kann aber auch "von jetzt auf gleich" kippen und den recht schnellen Tod eines der Tiere bedeuten.


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Ch.asiaticaWeibchen nach einer „kurzen Meinungsverschiedenheit“

Eine interessante Verhaltensnuance bei Channa asiatica ist, dass es scheinbar absolut opportunistische Carnivoren sind. Meine Exemplare fressen auch als ausgewachsene Fische mit über 33cm Körperlänge noch getrocknete oder lebende Daphnien; Mückenlarven in jeder Form; getrocknete Sandfliegen; Lebendfisch; gefrostete und getrocknete Stinte; sämtliche Krustentiere (Shrimps, Bachflohkrebse, Garnelen) - gefrostet, getrocknet oder lebend; Regenwürmer, Schaben, Grillen, Mehlwürmer, Zophobas und deren Käfer; sogar ausgewachsene, braune Nacktschnecken aus dem Garten! Ich habe bis jetzt noch nicht herausgefunden, welche potenzielle Raubfisch-/Kleintierfressernahrung die Tiere nicht fressen. Ich füttere meine ausgewachsenen Exepmlare höchstens dreimal pro Woche. Die Art zeigt ein extremes Bettelverhalten und Prägung auf den Pfleger (Fütterer).

Hier frißt mein ehemaliges Zuchtpaar winzige, getrocknete Sandfliegen von der Oberfläche:


Hier fressen adulte Tiere frisch aufgetaute, braune Nacktschnecken aus dem Garten:


Hier werden aufgetaute Miesmuscheln verzehrt:




Haltung als Heimtier:

Drei wichtige Eckpunkte sind bei der AQ-Haltung dieser Art aus meiner Sicht zu beachten:

1.) Es handelt sich um subtropische Fische, die zur Fortpflanzung und (aus meiner Sicht obligatorisch) zur artgerechten Pflege eine Winterruhe benötigen!

2.) Eine paarweise Haltung ohne jegliche Beifische ist anzustreben, da Gruppenhaltung o.ä. (s.u.) keinen wirklichen Sinn macht. Außerdem ist diese Art nicht nur innerartlich, sondern auch gegen artfremde Beckenbewohner aggressiv.

3.) Die Abdeckung des AQ muss nahezu lückenfrei sein und entsprechnd beschwert, damit die Fische nicht herausspringen können (was sie SEHR GUT können) und Ersatz-/Ausweichbehälter müssen immer parat stehen für den Fall, dass die Tiere getrennt werden müssen. Ein Trenngitter kann dafür ebenfalls verwendet werden.

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Trenngitter mit Übersprungschutz in einem 120 x 50 x 50 (cm) Aquarium


4427-7f66be85.jpgTrenn-Schwamm (Filtermatte) in einem 150 x 50 x 45 (cm) Aquarium


Die Maße des AQ's sind bei subtropischen Channa-Arten nicht immer ganz einfach anzugeben, weil hier auch Faktoren wie Wassertemperatur, Jahreszeit (Fortpflanzung, Jungenaufzucht,...), Einrichtung des AQ, Größe und Harmonie des Paares reinspielen.

Aus meiner Erfahrung ist eine Grundfläche für ein ausgewachsenes Paar dieser Art von 0,75 m2 das Mindeste, was geboten werden sollte (das entspricht z.B. 1,50 x 0,50 m); größer ist auch hier i.d.R. besser. Die Einrichtung des AQ sollte eher etwas unübersichtlich mit vielen Sichtschutzbarrieren und Sichtschutz von oben (!!!) vorgesehen werden - 3 bis 4 Wurzeln, relativ starke Bepflanzung, Röhrenverstecke, größere Steine, Schwimmpflanzen oder schwimmende Korkrindenstücke o.ä. -> man kann sich da austoben. Weil die Art relativ aktiv ist, sollte auch genügend freier Schwimmraum vorhanden sein. Hierbei wäre die Einfüllhöhe des Wassers wichtig, die mindestens 30 cm bei größeren Behältern betragen sollte. Bei kleineren AQ sollte es schon eine höhere Wassersäule sein - Stichwort: Schwimmfreiraum.

Es kann vorkommen, dass die Fische im Bodengrund graben.

WICHTIG: Die Tiere müssen sich auch mal aus dem Weg gehen können, ohne sich dabei sehen zu müssen! Das kann helfen Streit zu vermeiden, der dann auch sehr schnell tödlich ausgehen kann.

Eine Haltung dieser Art bei Temperaturen deutlich über 23°C über längere Zeit sollte meiner Meinung nach unbedingt vermieden werden, weil das zu erhöhtem Stoffwechsel, Futterneid, (einseitigem?) Vermehrungsdrang, erhöhtem Territorialverhalten und massiv gesteigerter Aggressivität führt. Eine normale Haltungstemperatur in einem Fenster von 18-22°C ist anzustreben (bei mir bettelten und fraßen die Fische sogar noch nach wochenlanger Haltung bei 15-16°C, erzeugt über einen Hailea Durchlaufkühler!).

Es ist bei Chana asiatica sehr gut möglich, die Fische saisonal (von Mai bis Anfang Oktober) im Gartenteich zu halten. Bei regelmäßiger Fütterung überstehen die Tiere das meist sehr gut und legen dann vielleicht sogar ihre dann stark ausgeprägte Vorsicht gegen alles "von oben" ab. Ansonsten sieht man die Tiere kaum, wenn sie im Teich schwimmen. Ein Schutznetz gegen Herausspringen oder Feinde von außen (Fischreiher, Katzen usw.) ist bei dieser Haltung obligatorisch! Ich selbst habe das bei 2 Individuen dieser Art schon einmal erfolgreich praktiziert und die Fische haben sich jeweils bei dieser Haltung von nur etwa 6 Monaten im Teich extrem gut entwickelt (1x im Sommer 2013 mit einem "Mickerling" meiner damaligen Jungfischgruppe -> dieses Tier war später dann mein zweites, kräftiges Zuchtweibchen ... und ... 1x mit einem übrig gebliebenen Jungfisch eigener Nachzucht im Sommer 2017 -> dieses Tier schwimmt derzeit bei mir als Einzeltier und "Ausweich"-Weibchen).


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Ch.asiatica Jungtiergruppe beim Fressen


Channa asiatica ist auch aggressiv gegenüber anderen Beckenbewohnern. Eventuell liegt das auch etwas an der Art der Beifische, aber sämtliche "Vergesellschaftungsversuche" der Art mit anderen Fischarten endeten ausnahmslos tödlich für die Mitbewohner.


Das war mein erstes Paar der Art:



Vermehrung/Zucht:

Wikipedia: "... Channa asiatica zählt auch zu den ersten Schlangenkopffischen, die in aquaristischer Haltung gezüchtet worden sind. So z. B. wurde er von William T. Innes in den 20er Jahren in den USA nachgezüchtet. Literatur dieser Zeit vermerken diesen Fisch als nestbauenden Schlangenkopffisch. Nachzuchten in Deutschland aus dem Jahre 2006 haben gezeigt, dass dieser Fisch schon bei Wassertemperaturen von 21 °C laicht. ..."

Nachgezüchtet habe ich die Art schon mehrfach, immer nach erfolgter Winterruhe und Wiedereinsetzen aus den Überwinterungswannen (s.u.) in das dann neu eingerichtete AQ. Die Starttemperatur lag da jeweils bei 16-17°C, gefolgt von einem leichten Temperaturanstieg gen 20°C mit etwa 2-4 wöchiger Fütterung. Die oben genannte Initialtemperatur zur Laichabgabe von 21°C kann ich bestätigen, würde aber dazu raten, den Temperaturanstieg von 18 auf etwa 22-23°C für 2-4 Wochen mittels Regelheizer relativ schnell durchzuführen, damit beide Partner gleichzeitig fortpflanzungsbereit sind und es nicht zu unnötigen Aggressionen kommt.

Die Tiere sind Offenlaicher und pro Gelege können durchaus 300-600 Eier produziert werden. Stimmen irgend welche Faktoren nicht, fressen die Tiere das Gelege recht schnell, legen aber bis zu 3mal nach (dann aber kleinere Eieranzahl). Auch von Gelegen im Herbst habe ich schon einmal gelesen (aber mit unbestätigtem Ausgang).

Je nach Temperatur entwickeln sich aus den Eiern nach 1-2 Tagen kleine, weiß-transparente Larven, die wie das Gelege vom Vater zusammengehalten werden. Dieser nimmt in der Zeit der Jungenaufzucht eine sehr kontrastreiche Färbung mit z.T. tiefschwarzen Streifenmuster an. Das Weibchen wird nur im Außenbereich des Reviers geduldet, aber grundsätzlich nicht aktiv bekämpft.

Ist der Dottersack nach weiteren 4-5 Tagen aufgebraucht, sind die Jungfische schwarz gefärbt und beginnen eigenständig zu fressen. Ganz am Anfang nehmen sie nur kleinstes Zooplankton (z.B. Rädertierchen), welches sich nach Möglichkeit bewegen sollte, um den Jagd- und Freßtrieb zu fördern. Eine leichte Strömung im Becken macht sich da ganz gut (z.B. mittels einer im HMF integrierten Umwälzpumpe).

Ab etwa 1,0-1,5 cm KL wird die Ernährung unproblematischer und die Jungfische nehmen auch größere Happen (Daphnien, Artemien, Hüpferlinge, Bosmiden usw.) zu sich, wobei sie sich dann scheinbar hauptsächlich vom Geruchssinn leiten lassen - die Nahrung muss sich nicht mehr bewegen. In diesem Alter beginnt auch bereits die Umfärbung zum typischen Streifenmuster. Das ist der Zeitpunkt, ab dem kaum noch größere Ausfälle bei den Jungtieren zu befürchten sind und ich die Temperatur wieder auf ca. 21-22°C abfallen lasse.

Die Jungfische können durchaus, genügend gereichte Nahrung vorausgesetzt, bis zum Winter bei den Eltern belassen werden. Sofern sich diese nicht ernsthaft in die Haare kriegen, passiert auch den Kleinen nichts.


Besonderheiten:

Channa asiatica ist an sich schon eine Besonderheit unter den Schlangenkopffischen. Die Tiere sind wirklich inner- und außerhalb der Fortpflanzungszeit sehr hübsch gezeichnet, sind bewegungsfreudig, temperamentvoll und sehr zutraulich. Wer den Raum betritt, wird meist mit gespreizten Kiemendeckeln begrüßt und dann geht auch schon das Betteln los. Es wird auch gern von unten gegen die Scheibe gesprungen, wenn ich z.B. etwas Neues darauf ablege (ein Schraubenzieher, eine Pinzette oder eine beliebige Plastebox oder Blumentopf).

Wie bereits oben angedeutet, scheint es zumindest verschiedene Zeichnungsvarianten der Art zu geben, was wegen des riesigen Verbreitungsgebiets auch nicht besonders überraschend ist. Ob es sich tatsächlich nur um Varianten, oder sogar um Unterarten handelt und ob daraus begründet Verhaltensunterschiede vorliegen (mündl. Mttlg.), ist bis jetzt nicht geklärt.


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Ch.asiatica Junges Paar (KL ca. 20 cm; das ist das Paar, welches, später aufgenommen, in dem Video mein "erstes Paar" ist)


Die Temperaturtoleranz der Art wurde/wird oft diskutiert. Sicher ist, dass meine Tiere (silber-weiß gefleckte Variante) zwei mal mehrere Wochen lang bei unter 12°C überwintert worden sind und ihnen das nicht geschadet hat. Außerdem habe ich erst im Dezember 2017 ein Tier aus meinem Gartenteich bergen können (ich hatte mit seinem Überleben eigentlich gar nicht gerechnet, weil ich es die ganze Saison nicht einmal gesehen habe), nachdem dort die Temperatur bereits mehrere Wochen bei etwa 10°C lag. Seine Beweglichkeit war da aber schon deutlich eingeschränkt! Das wird dann aber vermutlich auch die Grenze dessen sein, was die Tiere vertragen können, weil sie bei noch tieferen Temperaturen sehr wahrscheinlich keine Luft mehr atmen können und dann förmlich ertrinken. Ob nun eine Überwinterung mit sehr tiefen Temperaturen (s.o.) notwendig ist, oder ob 18°C ausreichen, sei dahingestellt. Man kann durchaus sagen, dass, nur weil sie es auch vertragen, es nicht auch förderlicher ist, die Tiere bei so niedrigen Temperaturen zu überwintern. Zumindest hat diese Methode aber bei mir zweimal unmittelbaren Fortpflanzungserfolg gebracht, aber beim dritten Mal auch das Leben des ersten Zuchtweibchens gekostet.

In jedem Fall sollte in den Wintermonaten (November - Februar) nur sehr spärlich bis gar nicht gefüttert werden. Den Tieren macht man das umso leichter, je niedriger die Temperaturen sind (vermutlich reichen dafür aber auch 16-18°C aus). Nur dann bilden sich, wie bei vielen anderen wechselwarmen, aquatischen Tieren auch die Keimdrüsen richtig aus und die Fortpflanzung kann erfolgreich sein.


Es kursieren immer wieder Videos im Internet, die zeigen, wie diese Art gruppenweise mit relativ großen Exemplaren scheinbar friedlich zusammen gehalten werden. Woran das liegt und wie lange so etwas tatsächlich gut geht, ist mir persönlich nicht ganz klar. Eventuell kann man territoriales Verhalten zugunsten des Schwarmverhaltens unterdrücken, indem sehr viele Fische auf sehr engem Raum gehalten werden. Dann werden aber wohl sehr leistungsfähige Filter und ständige Reinigungseingriffe nötig sein. Auch eine gesteuerte Überfütterung ist denkbar, weil Channa spp. durchaus ruhiger werden, wenn sie sehr gut im Futter stehen (Keimdrüsen- und damit Hormonreduzierung durch Verfettung???). Auch das ist für mich aber keine Haltungsoption, die ernsthaft diskutiert werden sollte.Eine erfolglose Fortpflanzungsphase endet oft, wie bei anderen Channa spp. auch, in Beziehungskrisen der Paare, was eben potenziell tödlich bei denen ist.

Bei gleich temperierter Haltung im Winter und konstanter Fütterung wachsen die Tiere bemerkenswerter Weise kaum. Die Wachstumsphase beschränkt sich ebenfalls erstaunlicherweise hauptsächlich auf die eigentlich warme Saison und dann in den ersten zwei Jahren sehr rasant.


Quellennachweis:

lt. http://www.wikipedia.de ...

- Lönnberg, Einar 1896: Linnaean type-specimens of birds, reptiles, batrachians and fishes in the zoological museum of the Royal University in Upsala. Bihang till Kongl. Svenska Vetenskaps-Akademiens Handlingar. Vol. 22 (1): 3–45.

- Innes, William T. 1936: Goldfish varieties and Tropical aquarium fishes. Philadelphia, 12. Auflage.

- Schnieder, Matthias 2006: Neue Channa-Erfahrungen. Aquaristik Fachmagazin. Nr. 169. Jahrg. 38 (3): 42–46.


Haftungsausschluß:

Sämtliche hierin beschriebenen Informationen, wenn sie nicht explizit einer Quelle zugeordnet sind, stammen aus persönlichen Erfahrungen mit diesen Tieren in der eigenen, aquaristischen Haltung oder aus dem Informationsaustausch mit anderen Haltern dieser Art.