Mutation bei Moskau Saddleback

  • Hi.


    Noch nicht wirklich was los hier in der neuen Guppyecke....


    Naja,einer muss ja den Anfang machen.


    Ich hol ein bisschen aus.


    2005 ersteigerte ich ein Paar Saddlebacks,über die ich nichts wusste und eigentlich nur eine Futterzucht plante.

    Als ich dann(ja bin ein Spätzünder)2007/08 endlich auch online ging bekam ich die
    Info dass ich doch da was interssantes,neues und zu dem Zeitpunkt auch Unbekanntes(was genauen Ursprung und Vererbung betraf)in meinen Becken hätte,die Tiere sahen zu diesem Zeitpunkt so aus:

    saddleback.jpg




    Das weckte meine Neugier und ich fing an alle möglichen Kombinationen auszuprobieren um zu sehen wie sich Saddleback auf verschiedenen Grundfarben(Blond,Pink,Albino...)verhält und kombinierte auch verschiedene andere Farben,am meisten begeisterte mich davon die Kombination mit dem Moskauer-Kopf und ich hatte diesen Tieren auch schon eine recht ansehnliche Flosse gebastelt.


    Sah dann so aus(hab leider keine besseren Bilder)

    Moskau Saddleback 12.JPGMoskau Saddleback 15.JPGMoskau Saddleback 16.JPG


    Der Glutsommer 2018 und ein Stromausfall himmelten aber fast den kompletten Bestand und nur einige wenige Tiere überlebten und diese Trümmerreste vermehrten sich relativ unbeachtet vor sich hin(hatte zu der Zeit viel um die Ohren was meine Aufmerksamkeit stärker benötigte).


    Bis mir irgendwann ein Jungfisch auffiel der farblich aus der Reihe tanzte,seit ich die Tiere hatte vererbte sich die Saddleack-Färbung stabil,es war immer ein fetter schwarzer Balken und darunter satt gelb,die Dicke des Balkens variierte ein wenig wie auch die Ausfärbung des Gelbs,mit Moskau zB.kälter/metallischer als normal(vermute das hängt mit dem Filigran zusammen was am Moskauer dran hängt)aber es war immer schwarzer Balken,gelbe Unterseite.


    Bei diesem hier aber nicht

    kaputtes saddleback8.jpgkaputtes saddleback1.jpg


    Hier scheint sowohl der Balken als auch das Gelb "aufgebrochen" zu sein und wurde zu einem unregelmässigen Fleckenmuster und das Gelb hatte auch wieder den ürsprünglichen warmgelben Ton.


    Ich bezeichne in mal als "Typ 1"


    Da ich so etwas vorher noch nie beobachten konnte war ich natürlich neugierig wie sich das vererbt bzw. erbfest machen lässt.

    Er kam umgehend in ein gesondertes Becken und erhielt zwei noch seeeehr junge Damen Cardinal Guppys dazu und ich wartete gespannt auf die ersten Jungfische.


    Monate vergingen....


    Viele,viele Monate.....


    Nicht ein einziger Jungfisch erblickte die Welt obwohl die Damen mittlerweile ausgewachsen waren und ich war mir langsam sicher dass das Männchen ein Rohrkrepierer war.


    Mittlerweile war aber ein weiteres Männchen im Nachwuchs aufgetaucht welches einen ähnliche Farbfehler hatte,nämlich dieser hier:

    kaputter saddleback 2.jpg

    Der kam natürlich unverzüglich zu dem Trio ins Becken!!:daumen hoch:



    Monate vergingen......



    Nix......:cursing:


    Naja,letztendlich stellte sich heraus dass nicht die Herren schuld waren sondern die Mädels unfruchtbar waren,denn auch bei den Cardinal-Guppys ist ein hoher Anteil der Mädels zwar kerngesund........aber "ungeferkelt".


    Habe die Damen jetzt gegen zwei junge Ginga Rubra-Damen ausgewechselt und warte jetzt endlich mal realistisch auf Nachwuchs.


    Vom Typ 1 tauchte jetzt auch ein weiterer auf,der braucht aber noch ein bisschen

    kaputter saddleback 3.jpg


    Aber das war noch nicht alles was bei den Saddlebacks anders lief,es tauchen auch vermehrt Tiere auf die ich erstmal als "Typ 2" bezeichne,bei ihnen ist der Saddleback-Balken unverändert aber im Gelb tauchen verschieden stark Musterungen auf,der mit der bisher schönsten Zeichnung sitzt schon mit einer Dame in einem romantischen Einzelbecken.

    moskau saddleback mutation typ2 b.jpgmoskau saddleback mutation typ2.jpg


    Faszinierend wie mich die Saddlebacks nach all den Jahren immer noch überraschen können.


    Und jetzt glühen mir die Fingerkuppen,Gute Nacht!


    Gruß


    Dirk

  • Hallo Manu,


    Das ist wie bei allen Aquarianern. Setzt man einen Ansatz zusammen, braucht man genügend Platz für die aufwachsenden Nachkommenschaft. Will man also die Nachkommen von mehreren Paaren aufziehen, die entsprechende Anzahl und Größen von Becken. Wie immer kann man sich entscheiden das gleichzeitig mehrfach zu tun, oder eben nicht. Dann geht das auch mit zwei oder drei Becken.

  • 😉😉

    Dass man immer genügend Platz braucht für seine Ansätze ...da beschreibt Rainer die Theorie.

    Die Realität ist doch, dass man immer ohne ausreichend Platz auskommen muss.

    😅😅

    Die Möglichkeiten multipliziert mit den Ideen, die man so hat, galoppieren dem Platz doch immer davon. Egal wie viel weitere Becken man aufstellt.

    🤣🤣

  • ...Spaß beiseite , zu meiner aktiven Zeit, betrieb ich einen Keller mit ca 70 Aquarien. Da nicht der massenhafte Verkauf mein Ziel war, waren verkaufte Tiere selten jünger als 7 Monate, weil ich so die Vererbung korrekter auswerten könnte. Manche Merkmale zeigten sich eben erst spät. Ich habe alle Fische abgeben können. ging nicht ohne Zeit raubende Arbeit und ohne Erfahrung, auch schlechte.

    Das ist meine Erfahrung!


    Ach ja, für die alles Wissenden: das hat die Kosten meines Hobbys nicht gedeckt und war, wie bei vielen der mir bekannten Züchter, nicht Ziel des Ganzen.

  • Hallo Dirk,


    zurück zum Thema:


    Wenn ich die Farbvererbung bei deinen Tieren sehe, werde ich an viele Beobachtungen an meinen eigenen Stämmen erinnert. Zum Beispiel habe ich Männchen aus meinen Galaxy-Stamm mit einem schönen Zebrinus-Muster mal auf relativ neutrale Endler-Weibchen (ich glaube Red Chest) draufgekreuzt und da kamen auch sehr interessant Muster raus, u.a. Tiere mit einer Saddleback-Zeichnung, die sehr an deine Ausgangstiere und deinen 'Typ 2' erinnert haben und Tiere mit einem zu einer oder zwei 'Punktereihen' gebrochenen Muster.


    Ausgangstiere:


    Nachwuchs Typ 1 mit 'Saddleback ähnlichem Muster


    Nachwuchs Typ 2 mit durchbrochenem Muster


    Deine Ausgangstiere tragen im Kopfbereich noch diesen markenten roten Streifen, den man bei vielen Wildguppys

    und klassischen Zuchtformen sieht und der bei vielen großflossigen Hochzuchtvarianten fehlt, auch wenn er auch dort definitiv genetisch angelegt ist und sich gelegentlich bei Einzeltieren, wie meinen roten Galaxy zeigt.


    Je länger ich Guppys halte, desto mehr setzt sich bei mir die Erkenntnis durch, dass es relativ wenig 'echte' Farb-/ Merkmalsgene gibt. Dafür gibt es sehr viele 'Modifikatorgene', die durch ihr jeweiliges Zusammenwirken entscheiden, ob ein angelegtes Basismerkmal als durchgängiger Streifen, Perlenmuster oder Streifenmuster ausgeprägt wird. Offenbar tragen gerade Endler-Guppys besonders viele der Modifikatoren. auch wenn sie nur wenige 'echte' Merkmalsgene vererben.


    VG, Jesse


    PS: Ich finde dein rundflossiges Ausgangstier mit der Saddleback-Zeichnung und dem schönen orangen Flossenrand am schönsten. Habe bin schon öfter im Netz über Bilder dieser Tiere gestolpert und finde diesen Stamm echt faszinierend.

  • Hallo Dirk,


    wirklich eine schöne Farbkombination mit dem Moskauer. Vielleicht ist das Saddleback bei Typ 1 wieder auf seinen Ursprung "zurückgefallen". In jedem Falle toller Beitrag, herzlichen Dank.


    Ich würde mich freuen, wenn Du da weiter berichten könntest von Zeit zu Zeit.


    :daumen hoch:

  • Zum Beispiel habe ich Männchen aus meinen Galaxy-Stamm mit einem schönen Zebrinus-Muster mal auf relativ neutrale Endler-Weibchen (ich glaube Red Chest) draufgekreuzt und da kamen auch sehr interessant Muster raus, u.a. Tiere mit einer Saddleback-Zeichnung, die sehr an deine Ausgangstiere und deinen 'Typ 2' erinnert haben

    Das bei Tieren mit Filigran oder Zebrinus auch mal welche fallen die dem Merkmal Saddleback ähneln ist nicht ungewöhnlich,sieht im Phänotyp ähnlich aus,ist aber ein anderes Paar Schuhe.


    Ich habe auch eine Theorie/Vermutung was bei mir passiert sein "könnte".


    Moskau(mit anhängendem Filigran) wurde bei meinen Tieren immer über`s Y vererbt,Ausgangstiere waren Pingu-Männchen(Moskau über`s Y) x Saddleback-Weibchen(Saddleback über`s X),auch wenn da immer wieder Filigran über Y und Saddleback über x vorlagen kam es in all den Jahren nie zu diesen Zeichnungsmustern,nicht mal im Ansatz.


    Nun kam es aber in diesem Stamm schon mal dazu das eine spontane Mutation auftrat(auch erstmal lange Zeit unbemerkt),nämlich dass das Moskauer Merkmal durch x-over vom Y-Chromosom auf das X "rüberhüpfte",hatte also Weibchen die Moskauer-Söhne produzierten.


    Habe damit ein wenig rumgespielt da ich dort die Chance sah einen lange gehegten Wunsch zu verwirklichen,nämlich einen Japanblauen Moskauer,wäre damals ja nur mit x-gebundenem JB möglich welches ich aber nicht zur Verfügung hatte,hier war jetzt die Möglichkeit es anders herum zu probieren,JB über Y und Moskau über X.

    Klappt auch aber das Ergebnis ist eher unspektakulär da leider auch das Filigran mitvererbt wurde und die Männer halt filigrane Moskauer waren die nur etwas mehr bläulich schimmerten als "normale".

    Dann hatte ich noch versucht Weibchen zu erzeugen die sowohl X-Moskau als auch X-MBEG im Erbgut hatten,mich interessierte ob es zu einer ähnlich flächendeckenden Dunkelfärbung des Körpers kommt wie bei den Moskau + MBEG-Männchen,kam da aber zu keinem erkennbaren Ergebnis und hab es irgendwann mit denen aufgegeben da ich genug andere Baustellen hatte(und nur begrenzte Beckenkapazität).


    In dem Genpool der Moskau Saddlebacks steckt also auch x-gebundenes Moskau+Filigran.


    Bisher war es immer der Fall das,wenn Mos+Fili über`s Y und Saddleback über`s X,das Saddleback-Gelb immer das Filigran überdeckte.


    Was ist,wenn es zu einem weiteren X-over kam und nun sowohl X-Saddleback als auch X-Mos+Fili auf einem Allel vereint wurden.

    Vielleicht kommt es dann zu einer Co-Dominanz der beiden Merkmale welche die ungewöhnliche Ausfärbung erklärt.


    Aufschluss darüber ob an meiner Theorie was dran ist,wird mir schon die F1 geben,wenn die Jungs Mosi-Köpfchen ausbilden lag ich falsch,kommen nur Mosi-lose Jungs zur Welt könnte ich richtig liegen.


    Wird diesen Winter also nicht langweilig mit den Guppys bei mir.


    Gruß


    Dirk