Garnelen aus der Ostsee

  • Hallo Foris,

    an der Ostsee habe ich mir im Hafen Timmendorf (Poel) Plankton gezogen. Es waren Unmengen an Copepoden im Kescher. Dafür waren viele andere Planktonorganismen nicht dabei. Ausnahme eine kleine Anemone, die eine nicht sessile Lebensweise hat. Diese ist in der Ostsee schon nachgewiesen worden. Nach der Art werde ich noch schauen, weil das nicht gerade häufig ist.

    In den Seegraswiesen sind wir mit Dredsche durchgegangen. Massenhaft Garnelen; dominant waren Palaemon elegans und Crangon crangon. Einige P.serratus waren dabei aber keine Palaemonetes varians. Taschenkrebse und Krabben waren recht häufig sowie eine kleine aus Amerika eingeschleppte Krabbe. Wollhandkrabben waren im Gegensatz zu den anderen Jahren keine zu sehen.

    Bei den Fischen waren Dreistachlige Stichlinge, sehr viele Seestichlinge und ein Neunstachliger Stichling im Netz. Leider keine Seehasen oder Heringe und auch keine Klippenbarsche, obwohl ich einen im Hafen an der Buhne sehen konnte. Bei den Grundeln waren Pomatoschistus minutus, Pomatoschistus microps und ein Pomatoschistus marmoratus im Netz. Leider keine Schwimmgrundeln und eine einzige Schwarzmundgrundel. Die war aber sehr klein. Also letztere Art scheint doch im Vorkommen stärker zu schwanken. Möglicherweise ist das dem trockenen, heißen Sommer geschuldet.

    Seenadeln einige Sygnathus typhle (Grasnadel) und Massen an Schlangennadeln Entelurus aequoreus.

    Also die typischen Seegrasbewohner waren vorhanden. Seesterne gab keine, dafür einige ans Land gegangene Feuerquallen.

    Bei den Algen die ich mitbringen wollte sah es außer dem Blasentang gar nicht gut aus. Einige kleinere Exemplare an Enteromorpha waren vorhanden, das wars. Ja und angespült einige Rotalgen, die ich aber nicht weiter bestimmt habe.

    Wassertemperatur 17°C, Dichte 1.010, kH 5, Magnesium 340, Calcium 170.

    Mal als Vergleich die Sollwerte im tropischen Seewasseraquarium:

    Temperatur >24°C-max 29°C, kH 6-8, Mg ca. 1300, Ca ca. 400-420

    Vertrocknet ist bei der Ostsee Exkursion auch keiner, so war alles gut. Lecker Fisch essen und gemütliches Zusammensitzen inklusive. Am Samstag Abend gab es für alle eine Fischsuppe, die unsere Rostocker Freunde gekocht haben. Und das beste: Nächstes Jahr gibts eine neue Exkursion vom 6.-8. September auf Poel. Das ist dann das 58. mal!

    LG Dietmar

  • Hallo Manu,

    ein Bild sagt oft mehr als Text. Das ist für Privatleute verboten! Alles was größer als ein Handkescher ist unterliegt der Genehmigungspflicht. Glücklicherweise ist bei unseren Unternehmungen die Fischereiaufsicht dabei. Die Tiere, die wir nicht mitnehmen fürs Aquarium, gehen selbstverständlich lebend zurück in die See. Es ist auch verboten, z.B Garnelen zu fangen und zum Zoohändler zu bringen... Das Netz ist etwa 4 Meter lang und wird langsam durch das Seegras und über Bodengrund gezogen. Der Staudruck im Netz ist gering, so dass die Tiere keinen Schaden nehmen.

    Diese Methode wenden wir seit etwa 50 Jahren an und erfassen die Fänge in einer Statistik. In der Buchreihe Meer und Museum, einer Stiftung des Deutschen Meeresmuseums Stralsund, wurden diese Daten bereits veröffentlicht.

    LG Dietmar

  • Unter dem Mikroskop hatten wir einen unerwarteten Fang. Eine kleine Anemone, nur 0,2-0,3mm groß. Sie ist auch noch nicht bestimmt und ich versuche sie derzeit im Aquarium aufzupäppeln. Solch ein Fang ist eine absolute Besonderheit! Möglicherweise als Larve verfrachtet bevor sie sessil wird. Solche Tiere haben es sehr schwer sich an diesem Standort anzusiedeln. Möglicherweise stammen sie aus eine der tieferen Rinnen in der Ostsee, in denen die Dichte wesentlich höher ist und wenn das Wasser stark aufgewühlt wird, kommen sie als Gast durchaus auch im Hafen vor.

    Was ich noch schreiben wollte ist, dass Copepoden mit etwas Mulm oder Bodengrund im Behälter eine Woche bis zur Haltung zu hause verbringen müssen, sehr erfolgreich mit dieser Methode ohne Verluste haltbar sind. Auch die calanoiden!


    unbekannte Anemone_1.jpg


    Dieses Bild ist eine der vielen angelandeten Quallen. Dabei haben sie ihre Nesselfäden verloren, so dass man sie auch anfassen und umdrehen kann. Es handelt sich hier um eine Feuerqualle, deren Schirm etwa 30cm Durchmesser aufweist.


    Feuerqualle.jpg


    LG Dietmar

  • Hallo Dietmar...


    Ich habe da mal eine ganz wichtige Frage...


    Wie kann ich vor Ort, meist für paar Tage im Urlaubsglück, solche Salzwasserlebewesen am Leben erhalten???

    Meist bin ich eine Tagesreise weit weg. Und kann und möchte auch nicht gleich nachhause fahren, wenn ich interessante Tierchen entdeckt habe.

    Aber Salzwasser ist ja nun doch bissl anders als Süßwasser. Und bis zum letzten Urlaub war ich auf 'Mitnahme' auch nicht programmiert.

    Sollte ich zukünftig ne Luftsprudelpumpe dabei haben? Genügt das bereits?

    Wasser und Einrichtung ist ja vor Ort...


    Lg

    manu

  • Hallo Manu,

    das ist nicht schwierig. Du kannst die Tiere (Fische, Garnelen) in einem Behälter ohne Deckel im Schatten draußen stehen lassen. Da genügt ein Luftsprudler durchaus; ist bei wenigen Tieren im Behälter aber nicht zwingend erforderlich. Beim Plankton macht man das ohne Luftsprudler. Schnecken kann man in feuchten Tüchern oder flachen Dosen transportieren. Kompliziert wird es bei Algen. Die meisten sind gegenüber höheren Temperaturen intolerant. Es sei denn man beschränkt sich auf die im Flachwasser wachsenden Arten wie Meersalat, Enteromorpha usw. Auch einige angespülten Rotalgen kann man einigermaßen gut halten.

    Ansonsten kann ich nur sagen Salzwasser ist weniger schwierig als Süsswasser! Falls Du Dir ein Aquarium zu Hause einrichten möchtest, empfehle ich Dir viel Naturwasser mitzunehmen. Problematisch ist unser synthetisches Seesalz. Auch wenn man die Dichte hinbekommt, stimmen wichtige Hauptparameter nicht und besonders die Algen nehmen das übel. Sie benötigen einige Zeit um sich dem Milieu anzupassen und das gelingt leider nicht immer. Im Naturwasser stehen die Chancen viel besser. Das transportiere ich in 5 Liter Trinkwasser Behältern (etwas mehr Luft drin lassen). Aber ich habe auch spezielle Transportbehälter, die schon 40 Jahre im Einsatz sind. Hier kann ich verschiedene Arten getrennt voneinander halten und zusätzlich durchlüften. Wenn Du magst, stelle ich Dir das Ding mal vor.

    Ostseeaquarien habe ich einige Jahre betrieben und das macht richtig Spass! Wenn es erlaubt ist, stelle ich mal ein Video von meinem Freund Edwin ein, der das in einem Seewasserforum veröffentlicht hat. Es ist zwar mit Nordsee Organismen besiedelt aber Ostsee ist ähnlich. Falls der Admin nichts dagegen hat: https://ig-meeresaquaristik.de/index.php/Thread/2332-Weiß-noch-nicht-genau-NordseeNano/?postID=113271#post113271

    LG Dietmar

    PS unter den Bildern in meiner Galerie findest Du einige Ostseetiere und das passende Aquarium dazu. Für mich war das als ich damit anfing, Neuland und ein herantasten. Es gab durchaus Probleme aber auch viel Freude.

  • Danke dir...!!!!!


    Hauptsächlich ging es mir erstmal darum, wie ich es richtig anstellen kann, wenn ich für Jemanden solche Kleinlebewesen mitbringen möchte. Wie z.b. die unbekannten Palaemons...

    Nächstes Jahr im Sommer bin ich auf der Insel Åland. 3 Wochen Inselruhe...

    Und mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit werde ich wieder den Ufersaum und Klippen untersuchen. Guggen, was da so kreucht und fleucht.

    Ob ich dann was von dort mitbringe, wird sich bis dahin entscheiden.


    Ein Seewasseraquarium zuhause haben möchte ich eigentlich nicht. Bin mit meinen Süßwasserbecken schon gut bestückt. Irgendwo brauch ich auch noch Platz zum Leben...

    Ein kleines 25 Liter Becken hab ich leer. Das möchte ich irgendwann als Brackwasserbecken einrichten. Hauptsächlich deshalb, weil ich gerne versuchen möchte, Amanogarnelen zur Fortpflanzung zu bekommen.

    Sollte ich im Brackwasserbereich mal später was Interessantes entdecken, wo ich mir sicher sein kann, das braucht nicht viel Platz zum Leben,(Asseln oder so),dann könnte es sein, dass ich mir davon etwas mit nachhause hole.

    Ansonsten nicht . . . !


    Aber wenn ich jemand Anderen damit glücklich machen kann, dann gerne...!


    Lg

    manu

  • Hallo Lilli, das ist gar kein Problem. Einfach in einen halb gefüllten offenen Eimer mit Sprudelstein und ein paar wenige Futterflocken reichen aus.

    Palaemons kann ich auch empfehlen. Ich hatte mir meine vor 3 Jahren von der Ostsee-Exkursion der Fachgruppe mitgebracht und die leben heute noch.

    Sind sehr witzig - auch ganz zutraulich, kommen sofort auf die Hand, wenn man im Becken zu tun hat.

    Sind meine absoluten Lieblings-Garnelen geworden! :)

    Ich würde aber empfehlen die großen mitzunehmen, die kleineren enden meist als Futter.

  • Hallo Axol,

    wenn Du Lust hast, dann komm doch einfach mit uns zur nächsten Ostsee Exkursion mit. Die findet vom 6.-8.9. 2019 statt. Wir fangen jede Menge Tiere, von denen einige auch für das tropische Aquarium durchaus geeignet sind. Und falls Du Algenfresser im Aquarium hast, machst Du die auch glücklich!

    Es lohnt sich immer und leckere Fischsuppe für alle kochen wir auch!

    LG Dietmar

  • Hallo Ingo,

    klar doch, die Ostsee hat mehr zu bieten als Badespass und lecker Fisch. Als ich das erste mal durch das Seegras geschnorchelt bin, hatte ich den Wunsch ein Aquarium mit Ostsee Tieren zu betreiben. Das habe ich dann auch fünf Jahre gemacht.

    War eine tolle Erfahrung und bei besseren Voraussetzungen sicher wieder ein Thema.

    LG Dietmar

  • Moin Ingo,

    Abschäumen funktioniert bei einer Dichte ab 1.010. Weiter runter bin ich nicht gegangen. Aber auch das funktioniert, habe es ausprobiert bei Dichten von 1.005. Das funktioniert mittels Kapillarwirkung durch Röhren im Kontaktrohr. Süsswasserabschäumer funktionieren ähnlich.

    Sommertemperaturen von 25°-27°C werden von Fischen gut vertragen. Wichtig ist eine deutliche Absenkung in den Wintermonaten. Allerdings kenne ich Aquarien die werden das Jahr über durchgehend mit 17°C ohne Probleme betrieben.

    Die meisten Tiere des Flachwassers, nicht nur die Fische, sind Salz tolerant oder wandern sogar zwischen Süss- und Salzwasser. Probleme gibts im Frühjahr, wenn die Temperatur steigt. Das muss sehr langsam geschehen weil sich sonst die Bakterien explosionsartig vermehren und das führt zu Sauerstoff Problemen. Daher würde ich eine durchgehende Temperatur von 17°C im Aquarium dauerhaft als bestmöglichen Kompromiss sehen. Was auch nicht vertragen wird sind Temperaturdifferenzen >5°C in kurzer Zeit.

    Die Abbildungen zeigen die Tiefsttemperaturen im Winter und einen modifizierten Abschäumer für geringe Salzdichte.

    Filterung ausschließlich Abschäumer, zeitweise Ozon und UV. UV ist problematisch, denn das muss deutlich überdosiert werden. Bei kaltem Wasser ist die Lichtausbeute im UV Gerät sehr gering.

    LG Dietmar