Nachzucht von Channa Quinquefasciata mit 2 Paaren gleichzeitig :) kleiner Erfahrungsaustausch

  • Hallo Channa Gemeinde ,hier mal meine Erfahrungen die ich mit den Channa Quinquefasciata gemacht habe:


    Typusfundort: Torsa River, Howlong-Brücke, nahe den Ausläufern von Bhutan, Nordbengalen, Indien, 26°43'46.58"N, 89°17'49.742"E (Karte).

    Der spezifische Beinamen quinquefasciata leitet sich von quinque (= fünf) und fasciata (= gebändert) ab und ist auf das Vorhandensein von fünf auffälligen Bändern am Körper zurückzuführen.

    Die Typuslokalität ist der Torsa River, ein Nebenfluss des Brahmaputra, an der Howlong Brücke, Nordbengalen, Indien. Neben der Typuslokalität besiedelt die Art auch Flüsse und Nebenflüsse des Torsa der Nähe von Alipurduar, Nordbengalen und in seinem Oberlauf .

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    Anfang Januar 20 sind bei mir 6 Channa Quinquefciata in ein 120x40x50 Aquaruim eingezogen.Die Tiere hab ich von FL-Fisch gekauft es sind DNZ.

    Die Tiere waren dann doch etwas grösser als erwartet schon deutlich über 12 cm. Aber sehr schön und putzmunter.Das Aquarium stand im Wohnzimmer und wurde natürlich nicht beheizt.

    Die Art bevorzugt etwas kühleres härteres Wasser. Der Torsa Fluss ist sehr steinig und auch stellenweise sandig und hat eine starke Strömung.All diese Parameter wurden im Aquarium auch umgesetzt.

    Man kann bei dieser Art komplett auf Bepflanzung verzichten.Sollte aber genügend Höhlen durch Steinaufbauten schaffen das sich die Tiere nicht ständig sehen ,auch mehere schwimmende Korkröhren wurden gerne angenommen.Schon nach sehr kurzer Eingewöhnung waren die Tiere relativ unscheu und versteckten sich nicht mehr beim Vorbeigehen.

    Das war die Woche der Einlebung die Fische haben dann in der 2 Woche das erste Paar gebildet und kurz darauf 3-4 Tage das nächste. Die verbliebenen 2 wurden auch bei der Paarung nicht angegriffen durften aber nicht in das Revier des Paares aber wie gesagt sehr friedlich nicht wie von Dominik Niemeyer auf seiner Homepage beschrieben hat.

    Nun war Zeit zum Handeln beide Paare sind in meinen Fischkeller umgezogen in ein 1Meter 40x50 Becken jeweils.

    1 Paar hatte sich bereits in der Gruppe gepaart .Das andere sofort nach dem Umzug in das neue Heim begannen die Umschlingungen.Nun hatte ich 2 Böcke die die Mäuler voll hatten toll.Die Tiere legen eine Laichgrube an zu der die Jungen immer wieder zurückgebracht werden nach den ersten Ausflügen.

    Die Fische sind Maulbrüter und nach 7-10 Tagen schlüpfen die Jungen.Die Anzahl bei meinen beiden Paaren war identisch ca.45-50 Stück.Die kleinen channa werden in der Anfangszeit von beiden Eltern mit Hautsekret versorgt. Fein zerriebenes Granulatfutter wurde auch sehr schnell angenommen.Das Paar war einem Monat sehr harmonisch dann als ich wieder in den Keller kam war das Weibchen schwer verletzt und musste sofort medizinisch behandelt werden.Dank bekannter anti Pilzmittel und Erlenzapfen verlief die Heilung problemlos. Die Ursache kann ich nur vermuten denke war eine Temperaturabsenkung des Wassers über Nacht weil ich im Keller das eine Fenster aufgelassen hatte.Die Fische sind mutige Eltern und beschützen Ihren Nachwuchs in dem sie ihn wieder im Maul aufnehmen.Bei dieser Channa Art ist ein schnelles Wachstum der Brut zu erkennen.

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    Aus aquaristischer Sicht ist die Art durchaus interessant weil sie überhaupt nicht versteckt lebt.Die Art benötigt wie alle subtropischen Channa Arten eine Winterruhe.

    Wer Interesse an der schönen Art hat meine kleinen schwimmen bei Komnino in Bayern.


    Mit freundlichen Grüssen Marco :afost:

  • Hallo Marco,


    Wirklich schöne Tiere und mal eine sinnvolle Beckeneinrichtung, zumindest was man auf den Bildern erkennen kann. Zeig uns bitte mal noch eine Gesamtaufnahme des Beckens, interessiert mich sehr. Die Erfahrungen mit innerartlichem Verhalten hängen sicher auch mit den jeweiligen Haltungsbedingungen und dem Alter der Tiere zusammen.

    Ich meine, dass sich das besondere Temperament vor allem auf die Haltung von Jungtieren in der Gruppe und auf die Paarfindungsphase bezog.

    Ein harmonisierendes Paar in einer angemessenen Beckeneinrichtung wird dem Halter auch weniger Probleme bereiten.


    Vielleicht noch eine Anekdote von mir dazu.

    Diese Art war seit mehreren Jahren bereits als spec. five stripes in der Aquaristik bekannt.

    Wobei die Angaben zum Fundort divergierten, was darauf hinweist, dass das Verbreitungsgebiet doch deutlich größer und nicht nur auf die Torsa begrenzt ist.


    Die wissenschaftliche Artbeschreibung gab es dann erst glaube 2018/2019 mit den Tieren genau aus diesem Fluß.


    Dem etwas belesene Channahalter wird auffallen, dass sie den in etwa zum gleichen Zeitpunkt beschriebenen Channa torsanensis ähneln. Bei dieser Art steckt sogar der FO im Namen.

    Soweit ich mich erinnere gab es in beiden Beschreibungen keine genetischen Untersuchungen, zumindest keine Abgrenzung zwischen den betreffenden Arten.


    Als Channa torsanensis, ehemals spec. cobalt blue, erstmalig importiert wurde, fiel die starke Ähnlichkeit bereits auf und die Vermutung kam auf, dass spec. cobalt blue nur eine Fundortvariante von spec. five stripes darstellt. Damals wurde der Chel River als FO von spec. cobalt blue angegeben.


    Unmittelbar nach den wissenschaftlichen Beschreibungen gab es auch sofort Kritik an den Methoden. Auch Heiko bleher bemängelte das fehlende Peer Review der wissenschaftlichen Methoden.

    Desweiteren gab es eine Aussage eines indischen Wissenschaftlers, der meinte eine genetische Abgrenzung beider Arten wäre nicht möglich, sodass sie genetisch so nah beieinander wären, dass man sie als eine Art betrachten müsste.

    Leider wurde das ganze nicht pupliziert.

    Phänotypisch kann man schon Unterschiede zwischen beiden feststellen, aber auch starke Gemeinsamkeiten.


    Interessant wäre wahrscheinlich mal, ob sich beide auch untereinander fortpflanzen würden und die Nachkommen überlebensfähig wären. Zumindest ein Hinweis dafür, dass sie genetisch nicht so weit weg voneinander sind.


    Ich hatte bisher nur Channa torsanensis in meinem Bestand. Bis zur Paarfindung fiel auch diese Art durch heftige Streitigkeiten und ausgeprägten Futterneid auf, was zu einugen Ausfällen führen konnte. Das spätere Verhalten des adulten Paares war dagegen auffällig harmonisch.

    Auffällig war auch das erstaunliche Sprungvermögen gerade der Jungtiere, was mich schon immer eine Herkunft aus recht schnell fließende Gewässer vermuten ließ.

    Desweiteren neigten sie zum starken Graben im Becken, was ebenfalls Rückschlüsse auf die Herkunft und einen wechselnden Zyklus in der Gewässerstruktur vermuten lässt.

    Wie sieht das bei quinquefasciata aus?


    Ich war natürlich selbst noch nicht in Indien, aber kann vielleicht Vergleiche zu den sedimentreichen afghanischen Flüssen aus dem Hochgebirge ziehen. Diese Flüsse führten im Frühjahr reisendes Schmelzwwasser und breite Überschwemmungengebiete im Bereich der Tiefebenen. Im Sommer dagegen waren die Flussbette fast ausgetrocknet und auf ein stark verzweigtes Netz an Rinnsalen reduziert. Ich könnte mir vorstellen, dass es im Verbreitungsgebiet dieser Arten ähnlich ist und das dargestellte Verhalten erklärt.


    Grüße Heiko

  • Hallo Heiko, danke für die vielen Informationen auch zu torsaensis. Solange keine wissenschaftliche Studie eindeutig von allen führenden Fischbiologen sagt die Unterschiede reichen für eine eigene Art aus können wir nur spekulieren.Es gibt bei Quinquefasciata auch unterschiedliche Färbungen was ich beobachten konnte.Tiere mit mehr Flecken in den Flossen andere mit mehr Schwarzanteil und manche hatten auch den blauen Schimmer was bei Torsaensis stärker ausgebrägt ist .Interessant wäre zu wissen ob es wirklich Übergangsformen sind verschiedene Standortvarianten kennen wir bei vielen Arten. Von dem Becken habe ich noch 2 kurze Viedeos 9 sec und 20 sec da sieht man schön das Paar zusammen . Auch ich kann nur bestätigen das Quinquefasciata gerne buddeln was ich noch vergessen habe auch wenn man grosse Steinhöhlen anbieten baut der Bock eine Laichgrube und bringt die Jungen abends immer wieder dort hin .Bei einem Paar war die frei angelegt beim anderen unter einer Schiefer Platte.

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    Am Torsa Fluss lässt sich viel erkennen wie der Fluss sich verhält. Alleine die Art der losen vielen runden Steine zeigt das er in der Hochwasserphase sehr wild ist und einiges an Sedimenten mitbringt bis das Wasser dann auf dem Höhepunkt in kleinen Rinnen abläuft und sich verbindet das alles lässt auf einen Bewohner schliessen der bestens mit den Schwankungen und auch möglichen Veränderungen in seinen Lebensraum zurechtkommt. (sry wegen verkehrtrum hab alles probiert handy pc )Mit freundlichen Grüssen Marco