Der Fächerflosser

Mit dem Ausstellen dieser Zuchtform wurde ich mit verschiedenen Schlussfolgerungen konfrontiert, die sich als unhaltbar erwiesen. Die eigenartigste und immer wieder geäußerte Behauptung war das angebliche lebenslange Wachstum von so genannten Schleierflossen und deren fehlende Vitalität. Der Grund für solche Behauptungen sind wohl solche Tiere, die sich vor allem durch einen schlechten Gesundheits- und Ernährungszustand auszeichnen und immer wieder verkauft werden.

Wenn ein normalflossiger Schwertträger sich nicht wohl fühlt, sieht man das so genannte Flossenklemmen. Noch jämmerlicher als es schon beim normalflossigen Schwertträger aussieht, wirkt dies jedoch beim Fächerflosser. Gesunde, kräftige Tiere haben hingegen klare Flossen und schwimmen vital.



Alternde und kranke Schwertträger magern ab, sowohl kurz- als auch großflossige Schwertträger. Lediglich die Flossen bleiben in ihrer Größe konstant – die Proportionen zwischen Körper- und Flossenfläche verschieben sich jedoch bei großflossigen Fächerflossern stärker. Wahrscheinlich entstand so der Eindruck, der lebenslang wachsenden Flossen und dem angeblichen Vitalitätsverlust bei Fächerflossern. Einer hat es geschrieben – andere im Vertrauen zitiert …

Beschäftigt man sich in der Praxis mit diesen Tieren, so fällt auf, dass sie sauberes Wasser und eine gute Ernährung benötigen! Das sollte natürlich für alle Aquarienfische und Heimtiere gelten. Ist dies nicht gegeben, erhält man kümmerliche Tiere, die auch entsprechend aussehen.


Fächerflosser und die Verbindung zum Königslyra

Joanne Norton (1992) schrieb, dass davon ausgegangen werden kann, dass, wenn es gelingt, Lyra-Schwertträger miteinander zu verpaaren, Fächerflosser entstehen müssten.

Takeshita (2008) beschrieb seine Theorie zu diesem Thema sehr ausführlich und endete seinen Artikel sinngemäß mit: „Während wir anfangs künstliche Befruchtung verwenden mussten, um diese Weibchen zu erzeugen (gemeint sind genotypische, also reinerbige Weibchen), glaube ich, dass wir eines Tages in der Lage sein werden, männliche Lyraflosser mit einem kleineren, funktionierenden Gonopodium zu erzielen.“ – Bitteschön, Herr Takeshita! Gerne hätte ich mich mit ihm darüber unterhalten und sie ihm gezeigt, doch leider ist er 2012 verstorben.

Jetzt haben wir den Königslyra zur Verfügung. Um sicherzustellen, dass der Königslyra wie ein normaler Lyra-Schwertträger vererbt, musste ich einen solchen mit einem „normalen“ Lyra-Schwertträgerweibchen verpaaren. Da ich bei beiden Tieren nicht von Reinerbigkeit ausgehen konnte, war die Erwartung bezüglich der Anzahl der Nachkommen, die den Fächerflossern zugeordnet werden können, entsprechend groß. Die abgebildeten Tiere sprechen aber für sich. Etwa 12 % der Tiere konnten dem Phänotyp Fächerflosser zugeordnet werden. Dazu traten normale Lyra-Schwertträger, Königslyra und normalflossige Schwertträger auf. Ein Teil dieser „normalflossigen“ Weibchen hatten auch das schon erwähnte deutlich ausgebildete untere Schwert. Weitere Einordnungen der Vererbung müssen erst noch durch Testkreuzungen belegt werden.


Bei einem Wurf mit 50 Tieren kommen bei den üblichen spalterbigen Tieren durchschnittlich nur drei Königslyra vor. Nach meiner vorläufigen Theorie eigentlich sechs, aber die Weibchen dazu konnte ich noch nicht sicher nachweisen.

Vom Typ Fächerflosser hat man da nur die Chance auf fünf oder sechs Tiere, davon allerdings auch nur 2–3 Weibchen. Die Wahrscheinlichkeit auf Fächerflosser mit normalen Gonopodium ist sehr gering, wenn überhaupt vorhanden.

Wenn man die Folgen dieser Beobachtungen mit den Überlieferungen vergleicht, kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass die gerne erwähnten Letalfaktoren, mit denen man erklären will, dass angeblich reinerbige Nachkommen von Tieren mit Flossenverlängerungen lebensunfähig sind, doch eher darauf hinweisen, dass die Behauptenden nicht ganze Würfe solcher Tiere geprüft und die gezeigten Zusammenhänge nicht gesehen haben.

Wer möchte, kann das gerne nachvollziehen und die am Ende des Artikels aufgelistete Literatur nachlesen. Auf meiner Internetseite http://www.platys.net sind entsprechende Betrachtungen weiter ausgeführt, als es hier zweckmäßig ist. Beschäftigt man sich intensiv mit diesem Thema, kommt man schnell zur Einsicht, dass Letalfaktoren in diesem Zusammenhang zwar möglich, aber noch nicht bewiesen sind. Bei meinen Schwertträgern sind sie aus den bereits genannten Gründen sowie den angewendeten Kriterien jedenfalls nicht plausibel.


Um Missverständnissen vorzubeugen: Die beschriebenen Zuchtformen sind keine Neuzüchtungen. Ich beschreibe lediglich den genauen Stand der Dinge. Ich mache auch keine Experimente sondern vollziehe nur nach, was in vielen Becken in denen Xipho-Zuchtformen gehalten werden, sowieso passiert, um es zu erklären und zu belegen, was dort eigentlich geschieht. Und genau das macht es so spannend! Spannender auf jeden Fall, als einfach nur die schönen Zuchtformen nachzuzüchten, ohne dabei zu wissen, was da eigentlich genau vor sich geht.


Um das aber auch zu bemerken:

Fächerflossige Lyra-Schwertträger haben meiner Meinung nach nichts im Laden zu suchen! Diese Tiere brauchen, wenn man sie halten will, optimale Haltungsbedingungen, die im normalen Läden einfach nicht vorzufinden sind und die Gefahr besteht, dass diese an, nach Farben aussuchenden Aquarianern, verkauft werden. Die Ergebnisse davon kann man ja leider immer wieder in Läden sehen.


Leser, die sich für die angesprochenen Themen interessieren und Gleichgesinnte finden wollen, möchte ich auf eine spannende internationale Facebook-Gruppe hinweisen. Ich habe sie „International Xiphophorus Breeder“ genannt und damit augenscheinlich einige kompetente internationale Züchter angesprochen.

Meine eigene Internetseite nennt sich http://www.platys.net. Hier habe ich dokumentiert, was in den letzten Jahren bei mir und anderen Züchtern in den Becken stattfand und immer noch stattfindet.

Mich findet man in einschlägigen Foren seit langen Jahren unter dem Nicknamen Rekord oder Rainer Rekord.

Eine weitere sehenswerte Seite ist die von Karl Trochu aus den USA: http://www.miamiswordtails.weebly.com

Roy Levine zeigt auf seiner Seite http://www.xhifin.org sehr interessante Zuchtformen des Xiphophorus hellerii und dessen Hybriden mit anderen Arten der Gattung Xiphophorus.

Alexander Chernikov aus der Ukraine ist ein international bekannter Züchter. Er hat leider keine eigene Homepage, ist aber unter seinem Namen bei Facebook zu finden ist, aber auch in unserer Facebook-Gruppe.

Links zu weiteren Züchtern und Vereinen findet man ebenfalls bei http://www.platys.net.