Channa andrao - Der Zwerg aus Indien

Systematik:


Stachelflosser ( Euacanthomorphacea )


Gruppe: Percomorphaceae (Barschverwandte)


Ordnung: Anabantiformes (Kletterfischartige)


Familie: Channidae ( Schlangenkopffische )


Gattung: Channa


Art: Channa andrao


Erstbeschreibung:


Ralf Britz 2013,



4390-0ab8ed05.jpg


Herkunft

Der endemische Fundort von Channa andrao befindet sich im indischen Bundesstaat West Bengal. Gefangen wurden sie in den Lefaguri Sümpfen in der Nähe von Barobisha. Entsprechend der Koordinaten (26° 31´ N; 89° 50´E) befindet sich hier ein größeres Waldgebiet.

Das Gebiet im Distrikt Alipurduar (Verwaltungsbereich Jalpaiguri) liegt im nördlichen Teil West-Bengalens und befindet sich klimatisch in einem subtropischen Flachland/Flussebene am Rande des östlichen Himalaya. Die Sümpfe unterliegen starken Schwankungen und dem Einfluß der beiden Himalaya Quellflüsse Raidak und Sankosh, Nebenflüsse des Brahmaputra, sowie dem indischen Monsun. Somit gibt es eine wasserreiche Sommerzeit von April bis Oktober und eine winterliche Trockenzeit von November bis März.

4397-6054ca53.png


Die Temperaturen vor Ort werden in den Quellen unterschiedlich angegeben. Es finden sich für den Distrikt Durchschnittstemperaturen von 16°C bis 27°C . Weitere Angaben zu Höchsttemperaturen schwanken jedoch von 30°C bis 40°C im Sommer und bis zu 10°C im Winter.


4398-c0a02b61.png


Gemäß Erstbeschreibung (Britz, 2013) wurden die Tiere von Andrew Rao in einem bewaldeten Sumpfgewässer mit flachem, trüben Wasserstand gefangen (11.Juli 2006, pH 6.2, Leitwert 72µS, Temp. 26,9°C)


Größe / Aussehen und Geschlechterbeschreibung


Als diese attraktive Art noch unbeschrieben im Handel auftauchte, wurde sie auch unter den Namen "C.sp. "Assam" , "C. sp. Lal cheng" , "Asia Blue" , "blue bleheri" oder zu gut deutsch "Blauer Regenbogen Schlangenkopffisch" geführt.

Nach Britz werden sie dem Gachua-Komplex zugeordnet. Die Ähnlichkeit zu "Channa Bleheri" lässt sich nicht von der Hand weisen, dennoch gibt es bei genauer Betrachtung wesentliche Unterscheidungsmerkmale in der Färbung sowie der Ausprägung der Flossen.

Wissenschaftlich beschrieben wurde die Art dann 2013 durch Ralf Britz) Der Name leitet sich vom Andrew Rao ab, einem bekanntem indische Exporteur von Aquarienfischen.


Andrao gehört zu den kleinwüchsigen Channaarten (Dwarf Snakeheads). Die Art erreicht üblicherweise eine Endgröße von 12 - 15cm. Mein aktuelles Zuchtpaar hatte bei seinem ersten Paarungsversuch erst eine Größe von ca. 10cm.

Channa Andrao hat wie die meisten Schlangenkopffische einen lang gestreckten Körper. Typisch ist dabei die jugendliche Musterung mit mehreren orangeroten Flecken und Streifen am Körper. Diese verblasst im Alter zu Gunsten einer eher bräunlich- grauen Grundfärbung.

Andrao besitzt ähnlich wie bleheri und orientalis keine Bauchflossen. Die übrigen Flossen unterscheiden Andrao jedoch von seinen Artverwandten. So haben die hellen Brustflossen neben den dunkleren Flossenstrahlen nur 2-3 dunkle Querbanden. Die Rücken- und Afterflosse zeigt eine leuchtend dunkelblaue Färbung mit schwarz-weißem Saum. Auch hier verblasst später der, im Jugendalter noch sichtbare, orange Flossengrund der Dorsale.

Die ebenso blaue Schwanzflosse behält dagegen in der Regel ihren typischen orangen Saum. Im Gegensatz zu Bleheri besitzt Andrao keine orangen Flecken in der Schwanzflosse. Typisch, besonders für die Männchen dieser Art, ist die Länge und Höhe der segelartigen Rückenflosse. Hier erkennt man zumeist auch deutlich den Geschlechtsunterschied.


4387-0dcf2314.jpg


Zur weiteren Geschlechterdifferenzierung kann man sagen, dass die Kopfform der Männchen deutlich bulliger und das Maul breiter ist. Die Weibchen bleiben in der Regel etwas kleiner und gedrungener im Körperbau.


4388-7109b8ba.jpg


4391-fd568f10.jpg


Haltung und Pflege im Aquarium


Die Beschreibung der natürlichen Habitate als vegetationsreiches, bewaldetes Sumpfgebiet lässt darauf schließen, dass die Aquariumseinrichtung ausreichend Struktur beinhalten sollte. Besonders in der anfänglichen Gruppenhaltung von Jungtieren sollte auf ausreichend Unterstände und Rückzugsmöglichkeiten geachtet werden. In größeren Becken kann dies durchaus lange zu einer weitestgehend harmonischen Gruppenhaltung bis zur endgültigen Paarfindung führen. Dieses Verhalten ist ähnlich bei Bleheri bekannt. Weiterhin habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sich anbietet Höhlen in das Aquarium einzubringen. Diese wurden später intensiv zur Aufzucht der Jungtiere genutzt. Als Bodengrund bietet sich feinen Sand an.

Für die Gesundheit der Tiere ist es wichtig den jahreszeitlichen Wechsel von Temperatur und Wasserstand im Becken entsprechend zu simulieren. Die Temperaturen in den Sommermonaten sollten sich demnach deutlich zu den der Wintermonate unterscheiden. In den Sommermonaten können die Tiere durchaus zwischen 24 - 30°C gehalten werden. Dagegen sollte im Winter eine deutliche Temperaturabsenkung unter 20°C erfolgen. Es ist jedoch nicht notwendig die Tiere unter 15°C zu halten.

Ebenso sollte in den Wintermonaten eine Futterpause eingeführt werden, da die Tiere hier ursprünglich in Erdhöhlen eine Ruheperiode durchleben. Nach Aussagen von N. Brede und P. Antler neigen Tiere, die diese Bedingungen nicht erhalten, häufiger zu Geschwürbildungen. Ich selbst konnte beobachten, dass besonders die Weibchen der ersten Gruppe, plötzlich durch deutliche Auftreibungen der Bäuche auffielen.

4394-8a4d318c.jpeg

Möglicherweise waren hier ein zu schneller Temperaturanstieg aus der vorherigen Winterruhe sowie die sofortige Fütterung eine Ursache. Die Tiere sind jedoch nicht, wie bei einer Bauchwassersucht, frühzeitig verstorben, sondern haben noch lange Zeit im Becken überlebt, gefressen und sogar in einem Fall für Nachwuchs gesorgt. Somit war von einem Laichverhalt nicht auszugehen. Nach Laien-Obduktion zeigten sich zwar unauffällige kleine Ovarien, das betreffende Tier hatte jedoch eine deutlich veränderte, verhärtete Leberstruktur sowie eine monströse Gallenblase, welche im Wesentlichen die Aufblähung des Bauchraumes verursachte.4395-2c0e95c9.jpg


4396-fe359f31.jpg


Das Nahrungsangebot sollte daher insgesamt nicht zu fetthaltig und abwechslungsreich sein. Empfehlenswert sind Insekten jeglicher Art, die ins Maul der Tiere passen. Krill oder Garnelen werden ebenso gut genommen, wie Würmer, Muschelfleisch oder auch stets zuckende Mückenlarven. Zum Erhalt der Wasserqualität wird dies von mir vorher unter frischem Wasser im Sieb abgespült.


Zucht / Aufzucht

Zur Aufzucht kann man sagen, dass es ein Erlebnis ist, den Elterntieren in der Balz- und Paarungszeit zu zusehen.

Mein noch junges Pärchen hat derzeit seinen ersten Nachwuchs und die beiden Elterntiere achten penibel darauf, dass die Jungtiere in der ersten Zeit zusammen bleiben.

Der eigentlichen Paarung gehen Scheinpaarungen voraus. Die Paarung selbst erfolgte kurz unter der Oberfläche durch enges Umschlingen. Bei Channa Andrao handelt es sich, im Gegensatz zu Canna Bleheri um Maulbrüter. Der Bock sammelt die schwimmenden Eier behutsam von der Wasseroberfläche auf und trägt sie in seinem Kehlsack aus. Daran ist dann auch eine erfolgreiche Paarung gut zu erkennen. Der Kehlsack des Bockes ist leicht aufgebläht und es wird regelmäßig nach Frischwasser geschnappt. In dieser Zeit wird keine Nahrung vom Bock aufgenommen.


Brutzeiten von nur wenigen Tagen (2-3) führten bei uns anfangs zu nicht überlebensfähigen Larven. Diese konnten weder gerichtete Bewegungen ausführen, noch schafften sie es, selbstständig zur Oberfläche zu schwimmen. Der Bock hat sie dann regelmäßig vom Boden aufgesammelt und sie durch die Kiemen an der Wasseroberfläche wieder entlassen. Diese Jungtiere sind jedoch sofort wieder zu Boden gesunken und verstarben regelmäßig nach wenigen Tagen. Mein derzeitiges Pärchen hatte hier nach einer Brutzeit von ca. 1 Woche mehr Erfolg. Wie schon erwähnt, wurde die Larven erstmals in einer Höhle entlassen, welche auch weiterhin bei Gefahr für sofortige Rückzugsmöglichkeit genutzt wurde.


4393-1193672b.jpg


4392-4c39f488.jpg


Nach 3 bis 4 Tagen durfte die Rasselbande dann auch unter der Aufsicht des Vaters das weitere Becken erkunden. Dabei schien auch das Weibchen im Becken nach möglichen Gefahren zu patrouillieren.

Andrao füttert seinen Jungtieren in den ersten Lebenstagen Nähreier. Ich konnte dies zwar nicht direkt beobachten, jedoch sah man gelegentlich noch Eier in den Pflanzen oder an der Oberfläche liegen.

Somit wurde erstmals nach 10 Tagen von mir zugefüttert. Anfangs dekapsulierten Artemiaeiern später mit feinstem Frostfutter. Die Larven und Jungfische sind anfangs, ähnlich wie bleheri, in einem leichten Ocker gefärbt. Sie haben jetzt nach ca. 2 Monaten eine Größe von 2 cm erreicht, schwimmen völlig unabhängig von den Elterntieren im Becken und lieben, es auf Jagd nach Mückenlarven zu gehen.

Ich hoffe die Jungtiere in 2 Monaten an einen zukünftigen Channaholiker abgeben zu können. Für den ersten Wurf ist es noch bei einer überschaubare Gruppe von 10 Jungtieren geblieben.



Abschließend gibt es für mich noch zu sagen, dass mein Pärchen Channa Andrao nach der Paarfindung bisher eine sehr harmonische Beziehung führt. Ich habe jedoch auch ein anderes bereits größeres Paar, welches nach wiederholt erfolglosen Paarungen plötzlich im großen Streit auseinanderging. Ohne eine Trennung der Tiere , hätte das Weibchen wohl nicht überlebt. Vorrausgegangen sind dem deutliche Drohgebärden mit aufstellen der Flossen, Aufblasen des Kehlsackes und zuckend-wedelnde Schwimmbewegungen. Es ist also wie bei allen Schlangenkopffischen immer ein Auge auf das aktuelle Verhalten zu werfen auch wenn die Art als eher friedlich bekannt ist.

Von einer Vergesellschaftung halte ich eher nichts. Insbesondere die Ruhephase im Winter verbietet letztlich eine Vergesellschaftung.

Die Art gehört für mich zu den attraktivsten unter den Channas. Ihr äußeres Erscheinungsbild ist ein Blickfang in jedem Aquarium und führt zumeist regelmäßig zu Begeisterung bei meinen Gästen. Als Einstiegs-Channa, unter Beachtung der beschriebenen Haltungsbedingungen, halte ich diese Art für durchaus geeignet. Ein Becken von mindestens 100 l und einer Grundfläche von 80x40 sollte für ein Pärchen ausreichend sein.

4389-04b99b33.jpg


Links und Quellen


- Ralf Britz 2013, "Channa andrao, a new species of dwarf snakehead

from West Bengal,India"

https://biotaxa.org/Zootaxa/article/view/zootaxa.3731.2.9

- http://www.seriouslyfish.com/species/channa-andrao/

- https://niemeierdominik.jimdof…en/kleine-arten/c-andrao/

- http://alipurduar.gov.in/tender/2017/DMPlan_APD.pdf




Bilder


- Alexander Lausch und Heiko Adam