Sauerstoffgehalt im Wasser

  • Hallo liebe Forengemeinde!

    Angestoßen durch ein Thema hier im Forum und auch wegen der kommenden sommerlichen Temperaturen, viel mir auf, das dies hier so gut wie nie diskutiert wurde.


    Die Ausgangsfrage: Wie bekomme ich genügend Sauerstoff in mein Aquarium?

    Dazu gibt es ja die berühmten Mittelchen, die Ausströmersteine. Mittels Luft- (Sauerstoff-) eintrag erhöht man den Sauerstoffgehalt im Wasser.


    Aber was ist nun Sauerstoff im Wasser? Etwa die Luftbläschen, die ich darin sehen kann. Was kann mein :fisch: mit der Luftblase denn anfangen?


    ...So gut wie nix, bei Überangebot an Luftblasen, kann ich unter Umständen meinen Fischen sogar schaden!


    Man sollte wissen, dass unsere Fische nur gelösten Sauerstoff verwerten können! Vereinfacht ausgedrückt: nur das Sauersoffatom welches sich mit dem Wasserstoff verbunden hat, kann vom Fisch "geatmet" werden.


    Ohne diesen gelösten Sauerstoff, also wenn rein gar nichts an Sauerstoff im Wasser ist, könnten unsere Fische auch "ertrinken/ersticken"!


    Wie bekomme ich denn nun den gelösten Sauerstoff ins Aquarium?


    Dazu muss man wissen, das sich der Sauerstoff am Besten an der Wasseroberfläche mit dem Wasser "verbinden" kann. Das heißt unsere Wasseroberfläche ist der beste Sauerstofflieferant, da hier die "Atmosphäre" direkt mit dem Wasser in Berührung kommt.


    Ein Gegensatz zum Sauerstoff (O2) ist das Kohlendioxid (CO2). CO2 ist quasi der "Sauerstoff" für unsere weiteren Pfleglinge, den Pflanzen!


    Diese, wie wir ja bekanntlich alle wissen, wandeln uns das Kohlendioxid in Sauerstoff. Den von unseren Fischen benötigten gelösten Sauerstoff! Die perfekte Symbiose! """ Mal ein kleiner Satz an die CO2-Fanatiker: Ohne CO2 keine Pflanzen, ohne Pflanzen kein Leben! Das gilt über und auch unter Wasser!!! """


    Aber nicht nur Pflanzen sind für unseren Sauerstoffgehalt im Wasser verantwortlich! Die Anzahl an Fischen bestimmt zum Einen den Sauerstoffgehalt!
    Es gibt da noch Bakterien, die Sauerstoff verbrauchen können. Außerdem ist die Temperatur ein wichtiger Faktor! Sauerstoff ist, wie gelernt in der Schule, ein Gas! Und nun: Mit steigender Temperatur (z.Bsp. im Sommer) nimmt der Sauerstoffgehalt im Wasser ab. Hier müssen wir Aquarianer also aufpassen!


    Ein gut bepflanztes Becken, kann so einen Prozess gut abfedern. Bei Pflanzenlosen Becken müssen wir zusteuern!


    Wie das am Besten?


    Aus eigener Erfahrung, kann ich nur sagen, dass der beste Sauerstoffeintrag von einer bewegten Wasseroberfläche stammt! Das wiederum macht der Filterauslauf oder Strömungspumpen am Besten!


    Eine Aufsteigende Luftblase, aus einem Sprudelstein wandert zu schnell nach "oben" um sich je ausreichend mit dem Wasser verbinden zu können und somit unseren :fisch::fisch::fisch: Fischen :fisch::fisch::fisch: den notwendigen gelösten Sauerstoff liefert!




    Gern dürft Ihr mich berichtigen, ergänzen und auch Eure Erfahrungen hierzu einbringen!


    VG
    Mirko

  • Hallo,


    das Thema Sauerstoff wird immer etwas stiefmütterlich behandelt, wahrscheinlich weil man den Sauerstoff einfach als vorhanden voraussetzt.
    Vielleicht füllt sich dieser Tread mit Sauerstoffanreicherungsmethoden und den daraus resultierenden Erfahrungen.
    In diesem Sinne schreib ich mal über meine Methode.
    Da ich auf ein schönes Pflanzenwachstum Wert lege und Pflanzen kultiviere die einen hohen CO2-Bedarf haben, führe ich meinen Aquarien CO2 zu. Zweimal über eine Druckgasanlage und zweimal über BioCO2. Wenn man CO2 zuführt ist ein CO2-Austrag über eine bewegte Oberfläche oder einen Sprudelstein natürlich kontraproduktiv. Deshalb führe ich Sauerstoff über Söchting Oxydatoren zu. Ich habe in jedem Aquarium einen stehen. Wasserstoffsuperperoxid wird zu molekularem Sauerstoff und Wasser umgewandelt. Besser in Wasser gelöst geht glaube ich nicht. Nebenbei soll es auch noch eine desifizierende und entgiftende Wirkung geben. Das kann ich nicht beurteilen, wöchentliche Wasserwechsel mache ich trotzdem. Auch die angebliche algenwachstumshemmende Wirkung kann ich nicht bestätigen. Aber meine Garnelen sind lebhafter seit die Oxydatoren ihren Dienst tun und auch bei den Becken ohne Nachtabschaltung konnte ich morgens keinen Sauerstoffmangel bei den Bewohnern feststellen.
    Natürlich in der Einsatz von Oxydatoren mit etwas Arbeit und Kosten verbunden, aber das ist es mir wert.


    VG Diana

  • Ja Mirko, ich gebe dir recht dass es im Sommer immer mau wird in den Becken :-)
    Für mich heißt das: Abdeckscheiben runter und Fenster auf. Auch nachts schön Durchzug! Erstens kommt so frische Luft an die Pötte und zweitens wird das Wasser gekühlt und das finde ich im Sommer immer noch schlimmer dass die Becken so schnell heiß werden... (Kannst du dich an das Becken in der Küche erinnern? Das hat früh 24 und jetzt grad wieder 27 grad. Ich bin schon wieder nur am eisbomben nachlegen :-/ )


    Ja aber back to O2.
    Ich nutze ebenfalls die oxidatoren von Söchting. Ich hatte den Fall noch nicht dass mir Becken gekippt sind (zumindest nicht durch O2 Mangel nachgewiesen) aber vorsorglich vertraue ich den Dingern vollends. Obwohl ich persönlich immer etwas Abstand davon nehme die Dinger reinweg als Sauerstofflieferanten ab zu tun. Ich verstehe die Wirkung, zumindest für mich, komplett anders.
    Das Wasserstoffperoxid in den oxis hat die chemische Formel H2O2. Also ganz normales Wasser mit einem O mehr ;-)
    Im Glas reagiert das H2O2 am Braunstein (Katalysator) und es entsteht freier Sauerstoff (2*H2O2---> 2*H2O & 1*O2).
    Dieser steigt auf und verdrängt weiteres H2O2 aus dem Glas was dann durch die Öffnungen unten im Deckel ins Wasser gelangt.
    Im Wasser aber kommt primär nicht O2 an sondern das ausgetretene H2O2 welches im Wasser auch erst einen Katalysator braucht um freien Sauerstoff zu erzeugen. Ist das Wasser sehr warm dann kommt es auch zur Autodissoziation, also dass das Wasserstoffperoxid von allein zerfällt. Aber ich behaupte einfach mal dass das bei H2O2 nicht so überwiegend ist.
    Warum sind die oxis dennoch so gut?
    Wir alle füttern unsere Tierchen. Der eine mehr, der andere weniger. Nicht alles Futter wird gefressen und das was gefressen wird muss auch wieder raus... Is klar, aber warum hilft jetzt H2O2 dabei?
    H2O2 oxidiert Kot, Futter und weiteres organisches Material. Dieses wird dadurch wesentlich schneller mineralisiert und nimmt den Bakterien die Futter Grundlage. Die Bakterien im Wasser werden ebenfalls oxidiert.
    Jetzt kommt aber ein weiter wichtiger Punkt: das freie O2, über die Pflanzen und Wasseroberfläche aufgenommen, im Wasser ist weniger reaktiv als das Wasserstoffperoxid, kann also die "Reste" weniger gut zersetzen. Aber da der Oxydator diesen Job jetzt übernimmt bleibt der freie Sauerstoff für die Tiere erhalten!


    Ist ein komplexes Zusammenspiel wie jeder natürliche Kreislauf.
    Ich möchte nur darauf hinweisen dass die Dinger m.E. viel weniger Sauerstoff produzieren als man annimmt und wie immer bepriesen wird. Aber sie funktionieren indem sie das Becken entlasten und unterstützen.
    Meine persönliche Feststellung ist auch das die Becken mit Oxydator sehr schönen und viel Mulm haben. Den muss man aber auch ab und an mal entfernen. Die Becken ohne oxis haben wenig Mulm und viele Pflanzenreste, also Teile die noch nicht mineralisiert wurden. Das dauert in den Becken. Echt länger..
    Und in meinem Becken mit Luftsprudler ohne Oxydator ist die Mineralisation auch nicht so gut wie in den Becken mit oxi..


    Auch die Tiere können bei zu viel Wasserstoffperoxid leiden!
    Bitte schaut dass die Dinger keine Temperaturschwankungen bekommen wie z.B. durch Sonneneinstrahlung. Dann drückt der oxi schnell sehr viel Wasserstoffperoxid aus was die Kiemen der Fische sehr angreifen kann.
    Auch solltet ihr das Wasserstoffperoxid immer vor dem Nachfüllen bei Zimmertemperatur lagern. Mir ist es ein mal passiert dass ich nicht dran gedacht hab und hab im Winter das Zeug aus dem Keller geholt, aufgefüllt und ins Aufzuchtbecken gestellt zu den jungen Perlhuhnbärblingen.. Naja von 6°C auf 23°C ist nen mächtiger Sprung und das Wasserstoffperoxid ist mehr als erwünscht ausgetreten... Dann hat es auf einmal an allen Gegenständen geblubbert ;-)
    Naja und es sind etwa 30 kleine Hühnchen verendet...
    Aber leider geht so lernen...


    Ach und nen kleiner Tip :-D
    H2O2 geht super um alle möglichen Gegenstände, wie z.B. Glas diffusoren von hartnäckigen Algen zu befreien. Am besten eine 4-6% Lösung nehmen und die Teile da einweichen. Die sehen danach aus wie neu ;-)


    Viele Grüße,
    Christian

  • Hallo Diana & Christian,


    Danke Euch! Die Oxydatoren sind natürlich eine schöne weitere Möglichkeit. Und "Hut ab!" für die chemische Einweisung! Bin eben schon zu lange aus der Schule heraus und kann nur noch einfach erklären. Wasserstoffperoxid habe ich auch da, war aber mal angeschaft um den Cyanobefall zu bekämpfen. Da hat es nicht den gewünschten Effekt gezeigt, ist aber auch ein anderes Thema.


    Da ja nun der Sauerstoffgehalt sehr stark mit der Wassertemperatur abhängig ist, noch ein Tip zum Kühlen! Ventilator auf die Wasseroberfläche ist sehr hilfreich!


    VG
    Mirko

  • Ja gerne!
    Und Ja Mirko, Ventilatoren bringen doppelt Vorteil!
    Kühlen und bewegen die Wasseroberfläche wodurch noch mehr Sauerstoff ins Becken kommt!
    Aber CO2 wird natürlich wieder ausgeblasen...
    Ich denke aber dass das wohl der Fische vor den Pflanzen liegt. Die Pflanzen können wesentlich mehr ab als die fischis oder Garnelen/Krebse.

  • Hallo Leute,


    sehr interessant was ihr so schreibt und auch aufschlussreich.
    Schön wäre es aber wenn man konkrete Zahlen zur Hand hätte. Habt ihr mal die Sauerstoffgehalte messen können? Wie viel mg/l macht denn die jeweilige Methode aus. Guter Pflanzenbestand und gut laufender Filter + gute Oberflächenbewegung sollte ja bekanntlich ausreichend sein. Doch was bringt ein Zuschalten von Oxydatoren und Sprudelsteine wirklich? Mal rein Datentechnisch betrachtet.
    Wäre gut zu wissen, aus wie vielen Anteilen der Sauerstofflieferanten sich die Summe des vorhandenen Sauerstoffs im Aquarienwasser zusammensetzt :!:


    Klar, die die Blase aus einen Sprudelstein enthält keine andere Luft als die Luft an der Grenzschicht der Wasseroberfläche und bei beiden findet aber sicherlich der Austausch von von Gasen statt.


    Die Bläschen aus einem Sprudelstein sind doch auch eine Art Oberfläche und um so mehr Blasen und um so länger sie im Wasser sind (sehr viele und feinen Blasen), um so mehr O2 können diese doch abgeben oder nicht? Ich erhöhe also durch die Blasen die Grenzschicht (bzw. Wasseroberfläche insgesamt), in der Luft und Wasser aufeinander treffen. Einmal durch Blasen und zudem durch die damit erzeugte Oberflächenbewegung. Je höher die Grenzschicht umso höher der Gasaustausch. Oder?
    Werden die (angenommen vielen kleinen) Blasen noch durch Strömung daran gehindert, dass sie direkt senkrecht aufsteigen und somit möglichst lange im Wasser verweilen um so mehr O2 sollten diese auch abgeben können. Ja okay, ob es jetzt wirklich was an der Summe ausmacht, dass weiß ich nicht genau. Aber evtl. ist dieser Effekt gar nicht so sehr zu vernachlässigen. :?:


    Oxidatoren scheinen ja ne feine Sache zu sein aber für mich ist extra CO2 schon zu viel Aufwand, da werde ich mich auch nicht an diese Methode wagen. Kommt auch immer auf das Ziel und den Ansprüchen der Pflanzen usw. an.


    Blubb Blubb und beste Grüße
    Robert

  • Es gibt tolle Geräte mit denen man Sauerstoff im Wasser messen kann :-)
    In einer Geländeübung im Studium haben wir mit mehreren solcher Geräte mal Wasserproben aus der Ostsee gemessen und einige Spielereien gemacht. Sehr interessant! Aber die Dinger kosten echt ordentlich Geld :-/
    Aber ohne solche Geräte kann man keine Daten gewinnen. Und ohne Daten kann man das nicht objektiv auswerten. Das ist richtig!
    Vor allem ist ja jedes Aquarium auch ein eigenes kleines Biotop und auch wenn die gleich eingerichtet sind laufen alle anders.


    Ich hab CO2 nur in einem Aquarium laufen, meinem 200l Gesellschaftsbecken. Und da hab ich aber auch nen Oxidator drin. Einfach weil es so viele Pflanzen sind die nachts ja auch Sauerstoff zehren. Und CO2 verdrängt anteilsmäßig den Sauerstoff im Becken...
    Was mich aber am meisten freut ist dass die cyanos die immer an der Scheibe sind jetzt viel weniger werden seit der oxi drin ist. Vielleicht ist O2 Mangel ein Faktor der cyanos das Leben erleichtert, bzw. Schadet viel O2 den cyanos?!?
    Aber ohne Daten... :pfeif:

  • Mit den Geräten habe ich beruflich bedingt viel zu tun aber privat müsste ich mir auch ein solches anschaffen... ja vor allem die Sonden sind verdammt teuer! :motz:
    Sich Daten aus dem www zusammen zu suchen ist auch nicht so einfach wie ich festgestellt habe.


    Also ich glaube, dass die Cyanos nur indirekt durch den Sauerstoffeintrag weniger geworden sind. Da haben sich dann andere Parameter zu Nachteil der Cyanos verändert. Selbst in Sauerstoffreichen aber belasteten Fließgewässern sind viele Cyanobakterien zu finden. Sauerstoff spielt dahingehend eine geringere Rolle. Aber Aquarien sind immer anders als in der freien Landschaft... Und natürlich ist jedes Aquarium auch sehr individuell. Und dann noch die vielen Arten von Cyanos mit unterschiedlichen Ansprüchen. Eieieiei :roll:


    Sauerstoff ist für unsere "guten" Aquarienbakterien wichtig. Stehen die im guten Futter, so haben die Blaualgen ein schweres Spiel!
    Ich glaube weniger Sauerstoff kann indirekt den Blaualgenaufwuchs begünstigen.


    Offtopic: Ich habe mal einen kleinen Versuch zur Dunkelkur gemacht als ich ein ganzes Jahr mit ner blöden Blaualge zu kämpfen hatte: Ich habe in mehreren abgeschlossenen Gläschen Blaualgen (der Gattung Oscillatoria - die den schönen schmierigen Schleier auf Boden und Pflanzen macht) für anderthalb Wochen einer Dunkelkur ausgesetzt. Die Gläschen bekamen nur alle zwei Tage etwas Sauerstoff, als ich sie mit etwas Nährlösung fütterte.
    Ich wollte halt herausfinden ob <B><s></s>nur<e></e></B> das fehlende Licht ihnen zu schaffen macht. Das Ergebnis war, dass sogar in dem letztem Glas noch weit mehr als 50% der Algen am leben waren nach 10 Tagen! (Die Oscillatorien sind ne Algengattung die sich gut fortbewegen können, daher sieht man neben der Zellfarbe auch ob sie noch fit sind). Also Dunkelkur bringt sicher auch nur was, wenn man auch alle anderen begünstigenden Parameter so einstellt, dass man es der Oscillatoria schwer macht. Auch Sauerstoffangel hat ihnen in den Gläschen nichts ausgemacht. Ich hätte gerne weiter geforscht aber dann wäre wohl ne halbe Studie daraus geworden und es hätte viel Zeit und Aufwand in Anspruch genommen. Und dann hätte man auch gerade mal ne Aussage für eine Art treffen können. ;)


    Aber ich denke irgendwer hat das irgendwo schon mal herausgefunden. Bloß wo sind die Daten vergraben *wild im www blätternd* :)


    Beste Grüße
    Robert