Planung des Flossensaugerbeckens

  • Hallo, ich bekomme demnächst ein Aquarium mit den Innenmassen 87x48x50cm (50cm ist die Wasserhöhe). Wasserwerte aus der Leitung sind KH 12, GH 13, PH 7.4.

    Da ich Kies-/Sandboden plane, wird sich das wohl auch nicht so sehr ändern.

    Der Temperaturbereich wird irgendwo zwischen 20 und 22 Grad im Normalbereich sein, denke ich. Das Aquarium kommt in mein Büro, das ist im Winter nicht so kalt. Im Sommer muss ich sehen, das Haus ist gut isoliert aber es wird doch auch mal warm, wahrscheinlich sind 24-25 Grad realistisch. Ich könnte ja das Wasser eventuell auch noch mit einem Ventilator kühlen.


    Ich möchte gerne den vorderen Bereich mit grossen Fluss-Steinen so anlegen, dass ich die Strömung für die Flossensauger vorne über den Steinen laufen lassen kann mit einer Strömungspumpe.

    Dahinter möchte ich Mangrovenwurzeln in die Höhe ragen lassen, die mit Aufsitzerpflanzen bewachsen werden sowie dahinter noch einige höhere Wasserpflanzen setzen. Ein reines Bachbecken ohne Pflanzen gefällt mir optisch nicht so gut, ich hoffe aber, dass ich durch die grössere Tiefe den Spagat zwischen Freifläche und Bewuchs gut hinbekomme :) Die Strömung kann in dem kleinen Becken natürlich nicht enorm sein, aber ich werde probieren, es so gut wie möglich einzustellen.


    Ich habe mich jetzt eingelesen und habe das Gefühl, dass Sewellia lineolata wahrscheinlich passen sollten? Oder was meint Ihr?


    Neben Schnecken und Neocaridinia sollen gerne auch noch Beifische einziehen. Da bin ich noch nicht entschieden. Wahrscheinlich Kardinalfische und/oder kleinere Bärblinge, die mit meinem Wasser und Temperaturen klarkommen. Gut gefallen mir auch Zwergpanzerwelse. Am liebsten hätte ich 2 weitere Sorten Fische dazu, aber bin mir nicht sicher, ob das nicht zu viel wird und ich besser nur eine weitere Art einsetze. Hier bin ich gerne für Vorschläge offen - da ich noch keine Fische habe, kenne ich das Schwimmverhalten zu wenig und bin immer auf die Zuverlässigkeit der Quellen im Internet angewiesen. Ich hätte gerne etwas ruhigere kleinere Fische dazu, nicht so hektische Schwimmer :-) Natürlich sollten die Neocaridinia weitestgehend in Ruhe gelassen werden.

    Falls Ihr einen Tipp habt für eine garnelensichere Strömungspumpe, wäre ich auch froh drum. Sonst muss ich da was basteln mit einem Gitternetz.


    So, danke schon einmal für Eure Ideen :-)

  • Hallo Kristina

    Ich halte selbst lineolata, sew01, pterolineata und analis. Aus eigenen Erfahrungen würde ich sagen das 20⁰C zu kalt ist. Meine Sewellia haben alle Minimum 23⁰C, eher darüber. Bei zu niedrigen Temperaturen haben meine Flossensauger das laichen eingestellt. Bis auf die analis habe ich von allen Sewellia Nachwuchs.

    Lediglich beim wasserwechsel nutze ich kälteres wasser um die Temperatur im Becken um 1,5 bis 2⁰c abzukühlen. Das bringt die Sewellia in laichlaune.

  • Hi,

    deine Pläne klingen sehr gut soweit.

    Bezüglich der Temperatur für Sewellia stimme ich ThomasK absolut zu. Für meine Sewellia marmorata haben sich um die 22,5 - 23,5 Grad als optimal erwiesen. Damit sind sie agil und balzen/ laichen regelmäßig.

    Was du nicht unbedingt brauchst, ist eine Strömungspumpe. Die Fiterströmung reicht normalerweise vollkommen aus /hat sich sogar als vorteilhaft erwiesen. Viel wichtiger ist "sauberes" Wasser, also am besten oft und großzügig Wasser wechseln.

    Dann fällt dein Problem mit der Sicherung einer Strömungspumpe auch weg.

    Da du im Hintergrund etwas Bepflanzung planst, kommen kleine Bärblinge sehr gut in Frage als Beifische, die mögen ja etwas Gestrüpp zum Verstecken und ablaichen.

  • Hier ist die Vorstellung von meinem Becken mit den Sewellia marmorata. Da du von der Beschreibung her etwas Ähnliches planst, kannst du dich vielleicht davon inspirieren lassen, auch, wenn das Aquarium etwas größer ist als dein geplantes.

    Das neue, alte Asienbecken

    Wirklich ein hübsches Becken mit schönen Tieren :-) Danke Dir! Das hatte ich sogar schon gefunden, als ich gegoogelt hatte :-)
    Danke für die Tipps mit dem Wasserwechsel. Das wird dann ja ganz schön viel Geschleppe :-)

  • Hallo zusammen,

    ich möchte die Frage stellen, ob es überhaupt gut (bzw. ob es anstrebenswert) ist, die Tiere das Jahr über in solchen Temperaturen zu halten, dass sie immer laichen.

    Oder ob saisonale Veränderungen der Temperatur (also wie hier im Winter zwischen 20 und 22 Grad) nicht sogar gut sind. Oder wenigstens ebenfalls möglich (und nicht schlechter).

    Gruß

    Manu

  • Hallo Kristina,


    mit Sewellia lineolata hast Du eine gute Flossensauger-Art für den Einstieg. Sewellia lineolata ist in Vietnam sehr weit verbreitet und wahrscheinlich auch die häufigste aller bisher bekannten 170 Flossensauger-Arten.


    Bei der Gattung Sewellia handelt es sich um tropische Fische, die durchaus höhere Temperaturen vertragen. Eine Beckenkühlung wirst Du ganz sicher nicht für diese Art benötigen. In einigen Flussabschnitten in Vietnam und Laos wurden z.T. bis zu 30 °C gemessen und auch im heimischen Aquarium überstehen die meisten Sewellia diese Temperatur kurzzeitig, sofern sie gesund sind.


    Bei Flossensaugern haben viele diese Ideologie im Kopf: Kühle Temperaturen, extreme Strömung, viele Steine und praktisch keine Pflanzen.

    Aber wenn man sich näher mit Flossensaugern beschäftigt, stellt man fest, dass es große Unterschiede beim Temperaurspektrum, Strömung, der Nahrungsaufnahme und auch bei der Nachzucht gibt.


    Die optimalen Temperaturen für Sewellia-Arten liegen zwischen 22 - 26 °C. Sie vertragen auch etwas kühlere und auch kurzzeitig etwas höhere Temperaturen.


    Wenn das Wasser dauerhaft "zu kalt" ist, stellen sie das Laichen ein. Sewellia lineolata lassen sich recht einfach vermehren. Ohne großes Zutun. Ein Wasserwechsel mit kühlerem Wasser reicht meist schon aus, wenn die Temperatur danach langsam wieder ansteigt. Deine etwas höhere GH wäre für eine Nachzucht von Sewellia-Arten kein Problem. Und Flossensauger stellen, bis auf wenige Ausnahmen, ihren Nachwuchs nicht nach.


    Die meisten Sewellia-Arten kommen auch ohne größere Strömung aus und es reicht oft die Filterströmung. Viele Halter schwören auf eine Strömungspumpe, aber sie ist für diese Gattung nicht zwingend notwendig. Wichtiger ist die Sauerstoffkonzentration, die mit zunehmender Temperatur auch wieder fällt. Hier sind Luftsprudler sehr vorteilhaft.


    Die Art des Bodengrundes ist für Sewellia-Arten eher zweitrangig, da sie wie Pseudogastromyzon etc., keine Gruben zum Laichen anlegen. Viele runde Steine und verschieden große Flusskiesel sind aber Pflicht. Die Steine können ruhig Faustgröße haben. Und - wichtig - diese nicht zum Säubern der Algen rausnehmen. Im Aufwuchs auf den Steinen finden Flossensauger ihre Nahrung. Ebenso auf Pflanzen, die meiner Meinung nach in einem Flossensauger-Becken nicht fehlen sollten.


    Wenn Du Begleitfische wie z.B. vietnamesische Kardinalfische einsetzen möchtest, sollten diese zuerst im Becken einziehen. Die Flossensauger ganz zum Schluss, wenn das Becken gut läuft. Schnecken und Garnelen wären je nach Art auch kein Problem, sofern sie mit den Wasserparametern klar kommen.


    Viele Grüße Andy

  • Vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen! Hab auch schon in Facebook einiges von Dir gelesen :-) LG Kristina

  • Könnt Ihr mir bitte einen Aussenfilter empfehlen für mein Becken? Ich schwanke zwischen Aquael Ultramax und Oase Biomaster... Ich bin mir auch unsicher, welchen Durchfluss der Filter haben sollte. Ich brauche ja genug Strömung für die Sewellia...
    Wäre Ultramax 1500 richtig, oder gar Ultramax BT (ich mag die Idee der Fütterungspausen), oder Oase Biomaster Thermo 350?

  • Könnt Ihr mir bitte einen Aussenfilter empfehlen für mein Becken? Ich schwanke zwischen Aquael Ultramax und Oase Biomaster... Ich bin mir auch unsicher, welchen Durchfluss der Filter haben sollte. Ich brauche ja genug Strömung für die Sewellia...
    Wäre Ultramax 1500 richtig, oder gar Ultramax BT (ich mag die Idee der Fütterungspausen), oder Oase Biomaster Thermo 350?

    Die kommen alle infrage. Der 1500 BT wäre eigentlich überdimensioniert für dein 180l (?) Becken, aber da man die Durchflussleistung einstellen und die Filtermaterialien anpassen kann, geht der auch. Es ist also eine Frage deines "Bauchgefühls" und des Preises.


    Nochmal - Sewellia kommen zwar mit einer starken Strömung zurecht, scheinen diese aber nicht unbedingt zu brauchen! Es reicht die Strömung eines normalen Außenfilters.

    Schau dir mal das Video dazu an :)

    (Eifel-Amazonas) Wo kommen all die Flossensauger her?


    Im Vorgängerbecken vom 240er Asienbecken hatte ich einen kräftigen Innenfilter ( Tetra Filter Jet 900) als zusätzliche Strömungsquelle, und der Schwamm diente gleichzeitig dazu, die von den Barben ständig aufgewirbelten Partikel abzufangen.

    Das wäre auch noch eine Möglichkeit für dich, wenn du nicht dem Außenfilter allein die Strömung überlassen willst, aber die Strömungspumpe zu schwierig zu sichern ist. Es gibt im Handel diverse Pumpen, so in der Art von Aquael Circulator. Deren Ansaugstutzen lassen sich besser garnelensicher machen, als die kugelförmigen Ströumungspumpen. entweder mit Filterpatrone - dann hast du quasi einen zusätzlichen Innenfilter. Oder mit Edelstahlgitter, das sich ganz gut passend zurechtbiegen und mit einem Schrumpfschlauch befestigen lässt. Nylonstrumpf geht auch, ist aber sehr wartungsintensiv, weil das feine Gewebe sich schnell zusetzt.

  • Ich brauche ja genug Strömung für die Sewellia...

    Diese reißende Strömung brauchst Du und auch die Sewellia nicht zwingend.

    Ich habe meine Sewellia immer ohne Strömungspumpe gehalten und konnte 2 Arten dieser Gattung vermehren.