Jette, die Stadttaube

  • Seitdem die Elstern vor einigen Jahren in unserem Garten die Nestlinge einer Amsel nach und nach gekillt haben, sind sie bei mir unten durch.

    Ich weiß, dass ist die Natur. Aber es war nicht schön anzusehen bzw. anzuhören

    Wenn eine Katze oder ein Marder dies tut, ist das auch nicht viel schöner.


    Ja, es ist die Natur und für uns Menschen oftmals ein schwer erträglicher Moment.

    Vermutlich brauchten die Elstern wiederum Futter für ihre Küken.


    Ich war auch böse - jedenfalls die vergangenen Male.

    Auf Bitten der Stadttauben - Initiative habe ich die echten Taubeneier, gegen Kunsteier ausgetauscht, um das Elend der Stadttauben nicht zu vergrößern.


    Man sagt, 70 - 80% der Nestlinge sterben oder werden als unerfahrene Jungvögel, die Beute von Krähen, Möven und Falken.


    Auch Elstern oder Eichelhäher können einen Taubennestling gefährlich werden.


    Und das Verständnis der Menschen für Stadttauben ist zudem relativ gering, nachdem in den vergangenen 20 - 30 Jahren viel Blödsinn über Tauben erzählt und Tauben regelrecht bejagt, sowie ausgehungert wurden.


    Der Hass auf Stadttauben schwappt mittlerweile auch auf andere Taubenarten z. Bsp. auf die Ringeltauben über.


    Jette's erster Partner Kalle, wurde vermutlich von Krähen oder Raben getötet.

    Auch unsere Falken kommen als Täter in Betracht.


    Jette hat anfänglich tapfer allein weiter gebrütet, hat dann aber das Gelege, noch lange vor dem Schlupf der Jungen, aufgegeben.

    Das waren damals echte Eier.


    Dieses Mal sitzen Jette und Anton auf ihren echten Eiern.


    Jette hat das erste Mal innerhalb von 2 Tagen ihre Eier gelegt 👍.

    Die Eier sind auch wunderschön.


    Ihre Legenot und die Verletzung des Legedarm scheint überwunden zu sein.


    Auf Anraten der Stadttauben - Initiative habe ich ein bisschen zugefüttert, dem Futter Taubengrit (Muschelgrit) untergemischt und am Anfang Calcium, die Tabletten wurden vorher schön klein geklopft.


    Zum Glück ist das Füttern auf dem Balkon nicht verboten und Jette hat es vermutlich, das Leben gerettet.


    Jede Frau, die Kinder geboren hat, kann nachvollziehen, wie es sich anfühlt, wenn die Geburt nicht vorwärts geht und sich Komplikationen einstellen.


    Jette und Anton sind kräftige und gesunde Tauben.

    Sie werden hoffentlich auch schönen, gesunden Nachwuchs großziehen.


    Dieses Mal habe ich nicht eingegriffen, keine Eier getauscht.


    Erstens kam ich mit meiner verletzen Hand schlecht ans Gelege ran.


    Zweitens waren Jette & Anton dieses Mal fest entschlossen, dieses Gelege durchgängig zu bebrüten & zu verteidigen.


    Früher hat Anton das Gelege ziemlich schnell verlassen, egal, ob es noch mit echten oder später Kunst-Eiern bestückt war.

  • Übrigens als sachliche Info zum Thema ergänzend gedacht:
    Eichhörnchen plündern weit mehr Nester als Krähen und Elstern.

    Zu den opportunistischen Nesträubern, die sich die Nestlinge anderer zu Gemüte führen oder sie einfach killen gehören auch noch der Kleiber, Kohlmeisen und Blaumeisen.

    Man sagt, 70 - 80% der Nestlinge sterben

    Nun, genau genommen sterben bei stabilen Populationen bis auf im Mittel 2 Jungtiere alle! anderen Jungen. Sterben bedeutet dabei typischerweise als Nahrung verwendet worden zu sein, bevor sie selbst Nachkommen haben konnten.
    Die Sterberate ist nur geringer bei Populationen, die wachsen können, weil sie ein neues Gebiet oder ein vorher stark entleertes Gebiet bewohnen.

    Eine Amsel, um dieses Beispiel wieder aufzunehmen kann bei guten Bedingungen in ihrem Leben rund 50 Junge haben.
    Davon überleben faktisch nur 2! die 48 anderen dienen nur als Nahrungsressource für andere Tiere.

    Eine Felsentaube (also hier eine Straßentaube) kann bei guten Bedingungen 80–100 Jungtiere in ihrem Leben produzieren.
    Auch hier gilt langfristig, also bei stabilen Populationen überleben davon wieder nur 2, der Rest dient wieder nur als Nahrungsressource {natürlich nicht nur, sondern auch als fehlgeschlagene Testprototypen der Evolution ;) }
    Es sterben also nicht 70% bis 80% der Nachkommen (wenn ich Nestlinge auf Nachkommen verallgemeinere),
    sondern ganz sicher 98% im Mittel.
    Nur in den seltensten Fällen, nämlich wenn eine Art das Glück hat ein neues Gebiet zu erreichen und zu besiedeln oder es einen vorübergehenden Populationszusammenbruch gab, kann das anders sein. Aber auch nur solange bis das neue Gebiet wieder gesättigt ist.

    Unsere Stadtfelsentauben leben in stabilen Stadtpopulationen, ob mit oder ohne menschliche Eingriffe, entsprechend werden 98 von 100 Jungvögeln von irgendjemand letztlich verspeist.

  • Übrigens als sachliche Info zum Thema ergänzend gedacht:
    Eichhörnchen plündern weit mehr Nester als Krähen und Elstern.

    Zu den opportunistischen Nesträubern, die sich die Nestlinge anderer zu Gemüte führen oder sie einfach killen gehören auch noch der Kleiber, Kohlmeisen und Blaumeisen.

    (.............)

    Moin.

    Als sachliche Info: das Thema ist Jette, die Stadttaube

  • Moin.

    Als sachliche Info: das Thema ist Jette, die Stadttaube

    Ich persönlich, Detlev, finde Erichs ornithologische Zusatzinformationen absolut bereichernd.


    Bestimmte, in den menschlichen Fokus gerückte Stadttauben-Individuen gehören, mal nüchtern betrachtet, ja ebenso eigentlich nicht zum aquaristisch-terraristischen 'Back- and Underground' dieses Forums.


    Da wir hier wie da sachlich, phasenweise von spürbaren Emotionen begleitet, jedoch allgemein im Reich der Tiere verbleiben, hab ich zumindest nullkommanull Probleme mit solchen willkommenen, thematischen Umwegen und Nebenwegen.

    Die das eigene, biologisch orientierte Blickfeld sachlich-kritisch auf jeden Fall erweitern...

  • Und vor paar Tagen flog auf wieder eine Fledermaus knapp über meinen Balkon hinweg.

    Fledermäuse habe ich dank der Teiche jede Abenddämmerung auch das Vergnügen gleich mehrere auf einmal rumgaukeln zu sehen. Die Teiche sind für sie ein absoluter Anziehungspunkt, da sie mehr Fluginsekten produzieren und versammeln als die Umgebung.

  • DSC_5468.JPG


    Das Foto ist leider etwas unscharf..


    Vater Anton bringt seinem neuerlichen Nachwuchs das Fliegen bei..


    PS. Jette & Anton sind bei mir ausgezogen & haben in der Nachbarschaft nochmal 2 Kinder auf einem Balkon großgezogen.


    Optisch sind sie so ganz anders, wie ihre älteren Geschwister, die auf meinem Balkon das Licht der Welt erblickten.