Vermehrungsversuche bei meinen Vogelspinnenarten...

  • Hallo,

    nach vielen Jahren einfach nur der Haltung von Vogelspinnen, starte ich gerade in den letzten 5 Jahren auch immer mal wieder Zuchtversuche, vor allem mit Arten, bei denen es i.d.R. nicht ganz so leicht ist... speziell Megaphobema mesomelas ist da für mich typisch - ich habe mittlerweile 3 Weibchen, 5-6 Männchen insgesamt über die Jahre "durch" und schon 3 (aber leider bisher erfolglose) Kokons gehabt und trotzdem ist es noch nicht geglückt. Auch konnte ich trotz der Verpaarung im letzten Herbst von meinen 2 adulten Cyriopagopus schmidti "gold" Weibchen bis jetzt keinen Kokonbau erkennen :-( .


    Ich würde es mir zur Aufgabe machen, hier immer mal meine Nachzuchten und die Versuche dahin vorzustellen... vielleicht weckt das ja auch das Interesse von Hobbyisten, zum Einen an diesem Hobby selbst und zum Anderen eventuell auch an meinen Nachzuchten ( ;-) ein bisschen Eigennutz - sorry).


    Vorab noch einmal ganz kurz ... seit 2011 wohne ich jetzt in meinem Haus mit einem vollunterkellerten Nutzbereich. Einen Raum davon habe ich mit einem Heizkörper ausgestattet und von oben temperiert auch die Fußbodenheizung meiner Küche ein wenig. Es ist also nicht ganz so kalt darin, aber tendenziell natürlich nicht zu warm - das ist nicht nur ideal für subtropische Channas, sondern eben auch für Vogelspinnen, die ebenfalls eher etwas kühlere Bedingungen bevorzugen (also unterhalb der normalerweise angegebenen 24-26°C Haltungstemperatur). Gerade diese Arten gelten meist als "heikel", aber wahrscheinlich nur wegen der Notwendigkeit der niedrigeren Temperaturen. Jedenfalls erreiche ich darin in Fußbodennähe z.B. im Winter 14-18°C - im Sommer 17-21°C und in Deckenhöhe im Winter ca. 22-23°C - im Sommer bis zu 24°C (weil die Heizung dann ja aus ist). In den Regalhöhen dazwischen stellen sich je nach Beleuchtung und Isolation (mache ich meist mit Styroporplatten, weil es ja eher ein Nutzraum ist) entsprechende Werte ein.

    Damit kann ich eben Arten gut halten, die normalerweise im Hobby oft "Probleme" machen, wie z.B. Megaphobema mesomelas, Poecilotheria subfusca (Variante "Highland"), Sphaerobotria hoffmanni, Cyriopagopus robustus, oder z.B. verschiedene Grammostola-Arten, die typischerweise in unseren Sommermonaten überwintern (weil aus dem südlichen Südamerika stammend), die entsprechenden Temperaturen für ihre Ruhephase bieten.

    Über Meg.mesomelas hatte ich ja schon HIER geschrieben und über Cyr.robustus AN DIESER STELLE (da kamen übrigens gute 85 Jungspinnen raus -> 10 von denen habe ich behalten, die sich auch bis jetzt gut machen, das Weibchen hat sich vor 3 Monaten gehäutet und erholt sich jetzt mit ausgiebig Schabenmahlzeiten vom Kokonbau).


    In der letzten Zeit konnte ich noch Hysterocrates spec. Cameroon (das ist eine noch nicht beschriebene Art der Gattung, die recht groß wird und wahrscheinlich nah mit Hys.gigas verwandt ist) vermehren - die gut 90 Jungtiere sind zum Großteil jetzt bei Matthias Köhler (LINK) zu finden - ein paar Jungtiere habe ich behalten. Die Art eigent sich zur Gruppenhaltung. Diese Gattung zu vermehren ist i.d.R. nicht zu schwer.


    Besonders gefreut hat mich der Kokonbau von 2 meiner insgesamt 4 verpaarten Weibchen von Poecilotheria subfusca "highland" - die kleinste Art der Gattung überhaupt (für mich tatsächlich die hübscheste - kann man sich z.B. HIER ma anschauen), die in der Natur stark durch Lebensraumeinschränkungen bedroht ist und ausschließlich in Nebelwäldern in Sri Lanka (Nuwara Eliya) oberhalb 1.500 m üNN vorkommt. Die Tiere werden eher selten offiziell angeboten und auch meine Tiere sind allesamt schon DNZ. Jedenfalls habe ich einem der beiden Weibchen den Kokon entnommen (um zu ermitteln, wie der Entwicklungsstand der Brut ist - es gibt kaum verlässliche Angaben zur Zeitigung bei dieser Art) und vor einer Woche waren es nur Eier... ein Risiko, weil diese auch schnell verpilzen können. Zum Glück sind an den Eiern seit gestern Gliedmaßen zu erkennen, d.h. der Nachwuchs entickelt sich, was hoffentlich auch so bleibt.

    Foto von heute morgen:

    IMG_8651.JPG

    (bin ich schon ein bißchen stolz drauf ;-) :mrgreen: )


    Bleibt dran - ich bleibe es auch!

  • Danke Andreas!

    Es macht schon Mühe, lohnt sich aber auch... schon allein, um der WF- Rate Einhalt zu gebieten, die sich sehr wahrscheinlich nur über die NZ- Rate reduzieren lässt. Manche Händler/ Halter gehen wirklich krude mit den Tieren um - das wissen wir alle und wird sich wohl auch nicht ändern lassen - aber umso schlimmer, wenn es sich dann auch noch um ökologisch wertvolle Individuen aus der Naturentnahme handelt.

  • Die Arachnologie ist ebenfalls ein sehr komplexes Thema, was meistens leider unterschätzt wird.

    Wenn ich mir da deine ganze Artenvielfalt an Spinnentieren ansehe, ist das auch mit sehr viel Arbeit verbunden. Neben der Aquaristik.


    Viele Grüße,

    Andy

  • Oh ja, das stimmt - ich muss sagen, trotzdem ich Vogelspinnen seit 1989 pflege, bin ich nicht der große Systematiker. Da gibt es ganz andere Spezialisten, die zu jeder Art alle ehemaligen Revisionsnomenklaturen draufhaben - Irrsinn!


    Ansonsten geht es eigentlich (wenn nicht gerade dutzendfacher Nachwuchs zu versorgen ist!) - ich würde mal ganz grob über den Daumen peilen, dass in Gänze etwa 20-30 Vogelspinnen so viel Arbeit machen, wie ein Aquarium... allerdings ist hier der Paltzbedarf noch nicht "eingepreist" ;-)