Schwarzwasser-Biotop für kleine Salmler

  • Liebes Forum,


    erstmal einen lieben Adventsgruß in die Runde. Ich hoffe, euch geht es den Umständen entsprechend gut und ihr seid alle gesund!

    Bei mir haben sich vor Kurzem die Becken vermehrt. Statt einem habe ich jetzt zwei Juwel Rio 180 im Wohnzimmer stehen. :feuer4:

    himmel-hoelle.JPG


    Dem Beckenmodell bin ich also treu geblieben (kann mich auch echt nicht beschweren), die Beckengestaltung wird dafür vollkommen anders.

    Wie man sieht, soll's ein Schwarzwasserbecken werden mit viel Holz und womöglich ganz ohne Pflanzen (das ist noch nicht ganz sicher).

    Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen überrascht, wiiee SCHWARZ es geworden ist. Hab vielleicht ein bisschen übertrieben ;)



    Was bisher geschah...


    Vor einer Woche hab ich das Becken fast vollständig mit Umkehrosmose-Wasser befüllt und mit dem Abwasser den Sand gewaschen, sodass das Wasser jetzt einen Leitwert von 55 µS hat. Klingt vielleicht übertrieben wenig, aber nachdem ich so ein bisschen gerechnet habe, wie viele große Wasserwechsel ich brauche, um von einem hohen Leitwert runter zu kommen, dachte ich mir: lieber bei der Erstbefüllung schon viel Reinwasser nehmen. Den Leitwert zu erhöhen ist mit dem Flüssigbeton aus der Leitung ja schnell gemacht, falls das notwenig sein sollte... und braucht viel weniger Wasser. Hier frisch nach der Befüllung:

    befuellt+holz+laub.JPG

    Holz und Laub kamen auch direkt rein. Das Holz muss jetzt erstmal eine ganze Weile wässern. Die Stöckchen hab ich mit viel Liebe über längere Zeit gesammelt. So schönes dreckiges Holz gibt es nirgends zu kaufen :P. Was wir allerdings gekauft haben, ist eine supi-dupi Handkettensäge, damit man die großen Äste vor Ort auch geschnitten kriegt. Mein Freund hat sich so darüber gefreut. (Ist bestimmt auch was für die Männer hier im Forum.)


    Danach hab ich ein Säckchen mit Erlenzapfen in einen der Filterkörbe vom Außenfilter gepackt... und seitdem sieht es halt so aus:



    Was noch so passieren soll...


    Es werden gaaanz winzig kleine Fische einziehen. In der Hinsicht bleib ich mir sozusagen treu.

    Ich möchte gern Tucano-Salmler (tucano tucanoichthys) darin halten und auch versuchen, sie zu vermehren. Sie sollen nicht mal 2cm groß werden. Also keine "Fische", sondern Fischiiies (die Anzahl der i's bemisst die Niedlichkeit.)

    Die Kleinen kommen aus er Region des oberen Rio Negro, genauer wohl aus kleinen Bächen, die sich in den Zufluss eines Nebenarms des Rio Uaupes ergießen, der dann in später in den Rio Negro fließt usw. usf... Also jedenfalls ein südamerikanischer Schwarzwasserbach mit den Wasserwerten: 24-26°C, Leitwert: 24 µS, pH 4.09.

    Sie sollen ganz untypisch für Salmler ihre Eier vor Räubern bewachen. Ich schreib euch hier mal was aus der Erstbeschreibung raus:

    Zitat


    On two occasions, a single territorial individual was observed watching and defending an immersed root of Ficus hanging about 20 cm from the surface in the free water. The fish, probably a male, was chasing every other fish away from an area less than 50 cm across around the root, obviously the centre of its territory. Not only did it attack members of its own species, but was also chasing, with success, some individuals of Nannocara adoketa three times bigger. These cichlids frequently sortied from the leaf litter below the territory of T. tucano and were attacked as soon as noticed.

    Google übersetzt das so:

    Bei zwei Gelegenheiten wurde ein einzelnes territoriales Individuum beobachtet, das eine eingetauchte Ficuswurzel beobachtete und verteidigte, die etwa 20 cm von der Oberfläche entfernt im freien Wasser hing. Der Fisch, wahrscheinlich ein Männchen, jagte jeden anderen Fisch aus einem Gebiet mit einem Durchmesser von weniger als 50 cm um die Wurzel herum, offensichtlich in der Mitte seines Territoriums. Es griff nicht nur Mitglieder seiner eigenen Spezies an, sondern verfolgte mit Erfolg auch einige dreimal größere Individuen von Nannocara adoketa. Diese Cichliden sortierten häufig aus dem Laub unterhalb des Territoriums von T. tucano und wurden angegriffen, sobald sie bemerkt wurden.


    Wenn die Territorien wirklich 50 cm im Radius sind, dann ist mein Becken eigentlich zu klein, merk ich gerade :/... Schauen wir mal.


    Soweit erstmal. Erstmal ist Geduld gefragt, bis das Holz endlich abgesunken ist, ich das Becken dann wirklich gestalten kann und alles stabil läuft. Danke fürs Lesen.


    Liebe Grüße

    Heide

  • Hallo Heide,

    mir gefällt Deine Herangehensweise an dieses Thema sehr - vor allem die Gedanken und die Ausführung um die Wasserzusammensetzung... viele Aquarianer gehen ja davon aus, dass Schwarzwasser nur durch Huminstoffe dunkel gefärbtes Wasser aus der Leitung darstellt.

    Ich bin sehr gespannt auf die Entwicklung des Projekts, vor allem darauf, wie Du die Stabilität der Wasserqualität aufrecht erhalten wirst (die Besatzdichte spielt dabei sicherlich eione entscheidende Rolle).

    Kannst Du noch etwas zur Filterung etc. schreiben?

  • Hallo Karsten,


    ich hoffe mal, dass meine Herangehensweise richtig ist. Ich hab mich eigentlich nur dazu belesen, wie die KH den pH-Wert puffert. Was ich noch nicht verstanden habe, ist, wie die organischen Puffersysteme für den pH-Wert eigentlich genau funktionieren, also die mit Fulvo- und Huminsäuren. Falls ihr da Literaturtipps habt, dann immer her damit!

    Die Besatzdichte wird eher gering sein. Die Tucano-Salmler sind nur etwa 1,7-2cm groß. Außerdem sind sie teuer, sodass ich vermutlich erstmal nur mit 20 Tieren anfangen werde.


    Zur Filterung: Es ist ein Außenfilter (JBL Greenline 902) angeschlossen. Das feine Filtervlies hab ich entfernt, da die erste Vorfilterung über einen Schwamm am Ansaugkorb erfolgt. In dem Außenfilter sind einige Lagen Schwämme und die weißen Kugeln. Und in einer Etage ist dann eben das Säckcken mit Erlenzapfen. Kein Torf.


    Liebe Grüße

    Heide

  • Dieter Hohl - Aquarienchemie

    Da stehen eigentlich alle Grundlagen einigermaßen verständlich beschrieben drin, also wie was zusammengehört ;-)


    Ich denke, für echtes Schwarzwasser ist es schon eine Herausforderung, stabile Verhältnisse zu erzeugen, da eben wegen der geringen Pufferkapazität (aufgrund mangelnder, enthaltener Härtebildner) des extrem weichen Wassers schnell die Gefahr des "Kippens" besteht - das würde man vermutlich sehr schnell am Geruch merken. Deshalb ist es wohl imho auch eher kontraproduktiv, einen zu großen Filter einzusetzen - der ist ja Bestandteil des Gesamtsystems und aufgrund der Löslichkeitsgleichgewichte von organischen und anorganischen Bestandteilen kann der auch schnell zur einseitigen Überhöhung von "Schadstoffen" im AQ-Wasser führen... eher eine Nummer kleiner, dafür aber öfter säubern, wäre da mein Ansatz. Außerdem wäre der auch bei angebrachter, sehr niedriger Besatzstärke ja ohnehin obsolet.

  • 😄😄😄


    Super gemacht, das Video . . . !

    Und zeigt vor allem sehr schön - keine Angst vor der Welt im Kleinen. Das gehört dazu, vor allem bei einem sich entwickelndem Becken...! 🤗


    Dein Becken finde ich spitze... 😊

    Absolut genial! Topp...!

    Bin sehr gespannt auf die weitere Entwicklung, vor allem, wie die Fische das annehmen werden.


    Lg

    manu